Ein teurer Alterspräsident

Iserlohn..  Es sind neun kurze Sätze, die im ersten Moment erstaunen. Sätze, welche bei den Fans der Iserlohn Roosters sogar für eine erhöhte Nervosität sorgen. Offensichtlich wurden sie auf einem iPad hastig dahingeschrieben, immerhin jeweils durch einen Punkt getrennt. Kein „Mit freundlichen Grüßen“ folgt, nicht einmal das neumodische „VG“, das bekanntlich für „Viele Grüße“ steht. Die E-Mail endet mit einem schlichten - „Mike“.

Plötzlich klingt Karsten Mendes leises Lachen wieder in den Ohren, welches seine Antwort damals begleitete. Es war kein höhnisches, kein besonders lustiges, einfach ein leises, heiteres Lachen. Mike York in dessen Heimat USA zu erreichen? „Kein Problem“, sagte der Manager der Iserlohn Roosters irgendwann im Vorfeld der zurückliegenden Saison in der Deutschen Eishockey Liga - und lachte. Leise. „Yorki ist bekanntlich nicht der Gesprächigste“, ergänzte Mende und riet zur E-Mail, „auch auf Grund der Zeitverschiebung.“

Nicht der Gesprächigste

Zwei Wochen war Mende nach dem dramatischen Aus der Sauerländer im Play-off-Viertelfinale gegen den ERC Ingolstadt auf seiner obligatorischen Scouting-Tour in Nordamerika. An der Ostküste. Seinen Mannschaftskapitän Mike York traf er in dieser Zeit nicht. Denn bereits in den nach dem Saisonende der Roosters und der Feier mit den Fans erfolgten Gesprächen mit allen Spielern tauschten sich beide Seiten aus - und schwiegen in der Öffentlichkeit.

„Ich bin nicht sicher, dass ich als Spieler zurück nach Iserlohn komme“, schreibt York nun. Und dazu: „Ich werde irgendwo spielen und warte auf die richtige Gelegenheit, irgendwo zu unterschreiben.“

2011 heuerte der mittlerweile 37-Jährige nach einer Stippvisite 2004, als sein Aufstieg in der Nordamerikanischen Profi Liga NHL durch den Lockout gestoppt wurde, zum zweiten Mal in Iserlohn an - und avancierte endgültig zum Publikumsliebling am Seilersee. Mister Mike York, so nennen die Fans der Roosters ihre Nummer 78, weil York nicht nur durch Spielwitz und Einsatzfreude überzeugt, sondern bei allem Kampf stets wie ein Gentleman über das Eis gleitet.

Dies wird er auch in Zukunft tun. Vielleicht allerdings nicht mehr für die Roosters, da sein Vertrag nach der zurückliegenden Saison auslief und bislang nicht verlängert wurde. Bereits während der Play-offs machten Gerüchte die Runde, York wechsele zum österreichischen Klub Klagenfurt, bei dem der ehemalige Roosters-Trainer und York-Freund Doug Mason in eine weitere Saison als Coach geht. „Ich schaue nur noch von Jahr zu Jahr und wie viel Spaß ich noch habe“, erklärt York lediglich und weist zudem auf seinen im Laufe der Jahre geschundenen Körper hin.

Zwischen den Zeilen liest sich eine Mail wie eine Abschiedsankündigung. Nach Robert Hock und Michael Wolf würde somit auch in diesem Jahr eine Roosters-Institution den Klub verlassen.

Karsten Mende will davon allerdings noch nichts wissen. „Ich habe Yorki noch nicht abgeschrieben. Sonst hätten wir das ja bereits verkündet“, sagt der Manager. Besonders die Auftritte des Alterspräsidenten im Kader der Sauerländer während der Play-offs imponierten Mende und Trainer Jari Pasanen. Mit drei erzielten Toren und elf Vorlagen hatte York erheblichen Anteil daran, dass die Viertefinal-Serie über die volle Distanz von sieben Spielen ging.

Kaderplanung

Ein weiteres Jahr mit Mike York zu verlängern - das ist das Ziel am Seilersee. Die Frage ist: Kann Mende sich dies erlauben?

Es ist schließlich kein Geheimnis, dass der Routinier zu den kostspieligeren Akteuren des Kaders zählt. Spätestens in der kommenden Woche weiß Mende nach Gesprächen mit Klub-Boss Wolfgang Brück, in welchem finanziellen Rahmen er sich bei der Kaderplanung bewegen kann. So lange werden die Fans der Roosters noch warten müssen. Auf neue Namen im Kader der Iserlohn Roosters - oder auf altbekannte wie „Mike“.