Ein Sylvester-Kracher am Seilersee

Iserlohn..  Dieter Orendorz grinst frech, als er vom Eis geht. Ziemlich locker hatte der Verteidiger der Iserlohn Roosters tags zuvor über die in den drei zurückliegenden Spielen kassierten 20 Gegentreffer und den immer knapper werdenden Abstand zu den Nicht-Play-off-Plätzen in der Tabelle der Deutschen Eishockey Liga geplaudert. Fast zu locker. Und dass sie am Ende der Hauptrunde vielleicht sogar auf Platz fünf ständen, hatte er ebenso mutig behauptet. Nun blitzt es aus seinen Augen, als wolle er sagen: Habe ich doch keinen Quatsch erzählt.

Mit 9:1 fegten die Sauerländer kurz zuvor die Krefeld Pinguine vom Eis, vergrößerten den Vorsprung auf diesen direkten Konkurrenten im Kampf um die Play-offs und beendeten im Handstreich ihre kleine Negativserie. Sie entledigten sich aufkommender Sorgen im Schlussspurt der Hauptrunde sogar mit einer starken Defensivleistung, wenngleich es für Torwart Mathias Lange nicht zum lange erhofften Shutout reichte.

Doch die Geschichte des Spiels, die Story des Abends, die lieferte ein 22-jähriger Jungspund, der die ehrwürdige Eishalle am Seilersee erst gut 24 Stunden zuvor kennengelernt hatte. Sein Name: Cody Sylvester.

Kurzfristig waren die Roosters auf Grund ihrer anhaltenden Verletztenmisere in den vergangenen Tagen auf dem Transfermarkt aktiv und in Nordamerika fündig geworden. Bereits am Sonntagnachmittag hatte Sylvester getwittert, dass ihn in wenigen Stunden ein Flugzeug nach Deutschland bringen würde. Am Montagnachmittag stellten ihn die Roosters schließlich offiziell vor und verpassten ihm das blaue Trikot mit der Nummer 26.

In der Kürze der Zeit bis zum Heimspiel gegen Krefeld war der Dress allerdings nicht fertig geworden, so dass Sylvester mit der Nummer 55 auflaufen musste - und von Roosters-Trainer Jari Pasanen gleich in die erste Sechs beordert wurde. Ein Glücksgriff. Denn nur 19 Sekunden nach dem ersten Bully feierten die Roosters Sylvester, Cody Sylvester.

Vorarbeit vom Kumpel

Nach Vorarbeit seines Kumpels aus gemeinsamen Zeiten in Calgary, Brooks Macek, erzielte der Zugang den Treffer zum 1:0 für die Gastgeber. Das vielleicht schnellste Tor eines Zugangs in der Geschichte der DEL - ein Sylvester-Kracher am Seilersee. Einer, welcher der angeknacksten Seele der Sauerländer neues Selbstvertrauen, neuen Mut gab. „Er ist noch etwas schüchtern. Schließlich ist er das erste Mal in Europa. Aber er hat alles super umgesetzt. An ihm werden wir noch viel Freude haben“, lobte Pasanen seinen neuen Schützling.

Collin Danielsmeier (2. Minute), Chad Bassen (6.), Sean Sullivan (13.) und Mike York (17.) versetzten mit ihren Toren die 4106 Zuschauer bereits im ersten Drittel in Ekstase. Erneut York (23.) und Jonas Liwing (31.) erhöhten sogar auf 7:0, ehe Krefelds Martin Schymainski das erste Tor der Gäste gelang (37.). Hoffnung auf mehr durften sich diese allerdings zu keiner Zeit machen, zumal Brodie Dupont in der 44. Minute auf 8:1 erhöhte. Brooks Macek stellte den Endstand her (55.). „Dieser Sieg gibt uns einen Extra-Kick“, freute sich Pasanen.

Dass Cody Sylvester nach der Schlusssirene die Iserlohner Feier-Gepflogenheiten kennenlernte, keine Frage. Dieter Orendorz genoss das Zeremoniell bereits zufrieden grinsend. „Wir müssen eine Reaktion zeigen“, hatte er gefordert. Mit einer so imposanten dürfte aber selbst er nicht gerechnet haben.