Ein großer Auftritt

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Was wir bereits wissen
Die Nationalelf beeindruckt nicht nur beim sensationellen 7:1 gegen Brasilien, sondern auch mit ihrem Auftreten danach. Das macht Mut für den letzten Schritt am Sonntag im Finale.

Ihre größte WM-Leistung hat diese Nationalelf vielleicht erst erbracht, als das 7:1 gegen Brasilien schon abgepfiffen war: Wie schafft es ein Team, große Teile der Welt zu verzaubern, ohne von sich selbst verzaubert zu sein?

Das ist nach diesem Spiel nicht einfach und nach diesem Ergebnis nahezu unmöglich. Aber es ist – mit Ausnahme von DFB-Chef Wolfgang Niersbach, dem nicht mal auf Nachfrage ein Wort des Bedauerns für Brasilien über die Lippen wollte – allen Beteiligten auf geradezu bemerkenswerte Weise gelungen: Wie Spieler und Trainer dem gedemütigten Gastgeber seine Würde gelassen haben, wie sie mit Bescheidenheit und Realitätssinn einen überall historisch genannten Triumph ein wenig relativiert haben: Hut ab.

Dahinter steht die vielleicht größte Eigenschaft dieses Teams. Es ist vollkommen auf den Titel fokussiert, es hat die einzig mögliche Haltung verinnerlicht, die es benötigt, um diese WM, ob nun gegen Argentinien oder die Niederlande, gewinnen zu können: Es wartet nämlich immer noch ein Spiel. In dem es nicht ansatzweise so leicht werden kann wie gegen eine brasilianische Elf, die implodiert ist unter der Last ihrer schon grotesk überhöhten WM.

Auch Joachim Löws Elf trägt jetzt mehr Last als vorher. Die weltweit diskutierte Frage ist nicht mehr die, ob Deutschland diese WM gewinnen, sondern die, wie Deutschland diese WM jetzt überhaupt noch verlieren kann. Die Mannschaft kommt von einer gewaltigen Höhe, nun muss sie zusehen, dass sie am Ende nicht leer ausgeht. Ihre jüngsten Auftritte machen Mut: der beim 7:1 – und mehr noch der danach.