Ein echtes Luxusproblem

Schonach..  „Immer in Schonach“, sagte Tino Edelmann. Der Schwarzwaldpokal gehört zu den Klassikern im Kalender der Nordischen Kombinierer. Und obwohl die deutschen Winterzweikämpfer seit vielen Jahren die Weltspitze mitbestimmen, datiert der letzte Erfolge eines Sportlers des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) aus dem Jahr 1987. Damals siegte Hubert Schwarz.

Doch ausgerechnet in Schonach schaffte es kein DSV-Athlet aufs Podium. Eine Premiere in dieser Saison. Johannes Rydzek belegte beim Premierensieg des Österreichers Lukas Klapfer Platz acht, Tino Edelmann folgte als Elfter, Gesamt-Weltcupsieger Eric Frenzel kam auf Rang 14. Nach der Hälfte des 10-Kilometer-Laufes beendete Fabian Riessle auf Geheiß von Bundestrainer Hermann Weinbuch das Rennen.

Ausgerechnet bei seinem Heimrennen in Schonach, wo der Breitnauer sich als Weltcup-Führender so gerne präsentiert hätte. Aber ein grippaler Infekt verhinderte schon den Start am Samstag im Teamwettbewerb. Lange wurde debattiert, ob der überhaupt starten sollte. „Nach zwei Runden ging nichts mehr bei Fabian“, sagte Weinbuch, „deshalb haben wir ihn rausgenommen. Wir wollten nichts kaputt machen.“

Endlich wieder Norwegen abgehängt

Für Weinbuch war der Ausflug in den Schwarzwald trotzdem ein Erfolg. Im Teamwettbewerb am Samstag konnte sein Quartett mit Tino Edelmann, Eric Frenzel, Björn Kircheisen und Johannes Rydzek nach einem Jahr wieder die Norweger abhängen. In Sotschi bei den Olympischen Spielen fehlten im Februar 0,3 Sekunden, im Dezember beim Weltcup in der Ramsau 0,1. „Endlich haben wir mal wieder gewonnen“, sagte der Coach. Schließlich gilt es mit Blick auf die WM Ende Februar in Falun ein Trauma zu vermeiden.

Natürlich denken Weinbuch und sein Trainerteam auch schon an die Athleten, die sie mit zum Saisonhöhepunkt nach Schweden nehmen werden. Damit haben sie ein Luxusproblem. Allein in Schonach trugen zehn der 30 Starter, die sich beim Springen für den Langlauf qualifizieren konnten, den schwarz-rot-goldenen DSV-Anzug. Und obwohl für die Kombinierer strengere Nominierungskriterien als für die Kollegen beim Skispringen oder Langlauf gelten, hat Weinbuch die Qual der Wahl. „Möglich ist, dass wir sechs Athleten mitnehmen“, sagte Weinbuch. Natürlich gehört Fabian Riessle dazu, auch Johannes Rydzek und Tino Edelmann. Und Eric Frenzel als Olympiasieger sowieso. Als amtierender Weltmeister hat er sogar seinen persönlichen Startplatz sicher.

Doch ob Weinbuch die Quote ausreizt, ist offen. „Noch haben wir nicht entschieden, ob wir fünf oder sechs mitnehmen werden“, sagte Horst Hüttel, der Sportliche Leiter für diesen Bereich. Der erfahrene Björn Kircheisen ist ebenfalls ein Kandidat. Oder Manuel Faisst. Hüttel: „Günstig wäre, wenn der sechste Athlet ein junger ist, der Erfahrungen sammeln kann.“

Entscheidung Ende Januar

„Mit jedem Wettkampf kommen neue Eindrücke dazu“, sagte Weinbuch. Bis Ende Januar muss er seine Entscheidung getroffen haben. Und schon jetzt ist ihm klar, „dass ich dem einen oder anderen weht tun muss“. Doch mit Fakten und Transparenz sowie dem gewachsenen Vertrauen hofft er, dass seine Sportler seine Entscheidung verstehen können. Natürlich wissen nicht nur die Trainer um diese Konkurrenz. Auch die Sportler erleben sie. Täglich. „Diese Konkurrenz pusht uns im Training“, meinte Tino Edelmann, „trotzdem ist es manchmal nicht leicht.“