Ein Abgang mit Ansage

Es ist zuletzt nicht einfacher geworden, Trainer des VfL Wolfsburg zu sein. Seit dem VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte, der dem Autobauer ein Milliarden-Loch in die Kasse reißt, ist auch bei den Fußballern nichts mehr so wie es war. Bei den Transfers gab’s es im Sommer sogar einen Überschuss von acht Millionen Euro – offenbar sind Millionen-Einkäufe und Millionen-Gehälter einer Belegschaft, die ganz andere Sorgen hat, immer weniger zu vermitteln.

Natürlich hat es Gründe, dass mit Naldo, Max Kruse und Andre Schürrle wichtige Kräfte gegangen sind und dass ein Julian Draxler öffentlich bekundet, möglichst schnell den Abflug machen zu wollen. Es sind Fälle, die bestimmt nicht nur darauf zurückzuführen sind, dass der Glamourfaktor in der VW-Stadt – vorsichtig formuliert – überschaubar ist.

Es gibt tatsächlich plausible Argumente für die missliche Situation bei den Wölfen, und dazu zählen auch die Erfolge der jüngeren Vergangenheit: In diesen Tagen kämpft eine Mannschaft, die vor gut einem Jahr noch Vizemeister und Pokalsieger war, die in der Champions League sogar Real Madrid auf dem eigenen Rasen bezwingen konnte, mit einer Erwartungshaltung, die nichts mehr zu tun hat mit der Realität.

Klaus Allofs weiß das alles. Und dass der Sportdirektor, der noch nie einen Trainer entlassen hat, zu der Erkenntnis gekommen ist, dass es so nicht weiter gehen konnte, ist nachvollziehbar. In diesem Jahr hat der deutsche Meister von 2009 nur 25 Punkte in 24 Spielen geholt. In dieser Spielzeit sind es gerade einmal sechs Zähler.

Womöglich ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt gekommen, um einen Neuanfang zu wagen. Und was man Wolfsburg unbedingt zu Gute halten muss: Dieter Hecking ist ein tagelanges Hinundher, ist ein unwürdiges Schauspiel, erspart geblieben. Immerhin.

Siehe 2. Sportseite