Eigentlich wissen wir gar nichts
01.09.2010 | 00:22 Uhr 2010-09-01T00:22:00+0200
Essen.Bevor sich die dreißig Millionen deutschen Fußballexperten für eine Woche in die immer noch Ballack-freie Zone der Nationalmannschaft verabschieden, sollten sie mir im Chor laut den Satz nachsprechen: Wir wissen, dass wir nichts wissen!
Über den Ausgang der Bundesliga-Saison nämlich. Mit einer Ausnahme: Die Zahl der geschossenen Tore wird nicht im Schnitt bei 3,7 pro Spiel bleiben (letzte Saison: 2,83). Auch wenn eine Rückkehr von Huub Stevens –„Die Null muss stehen“- in die Liga nicht absehbar ist.
Aber sonst? Dass die Bayern nicht unverwundbar sind, ist schon lange bekannt. Trotzdem können sie auch dieses Jahr immer noch triumphal Meister werden. Glaubt einer ernsthaft, dass Lautern nichts mit dem Abstiegskampf zu tun hat? Bei den jugendlichen Dortmundern weiß auch noch keiner, ob’s am Ende gehobenes Mittelmaß oder ein Spitzenplatz wird. Auf Schalke sagen die einen „Der Felix wird’s schon richten“ und die anderen „Der überlebt dat Jahr nich“. Wer weiß es schon?
Auch Bayer Leverkusen hat mit der Kombination aus coolem 2:0-Auswärtssieg und 3:6-Heimdesaster nichts als Verwirrung in den Köpfen angerichtet. Wer die Gladbacher Mannschaft als die neuen Fohlen feiert, hat wohl schon das schlappe Unentschieden gegen Nürnberg vergessen. Ob die Mainzer auch am Ende noch singen und lachen? Und so weiter und so weiter.
Wir wollen alles wissen und erklären können, und zwar möglichst schnell. Im Fußball geht das nicht – ein Fluch und ein Segen. Einige unverrückbare Wahrheiten gibt es aber: Hamburg und Schalke sind Oasen der Ruhe und Stabilität; Mario Basler ist Präsident einer Nichtraucher-Initiative; und Lothar Matthäus ist das am meisten verkannte Trainer-Genie der Gegenwart. Das muss an Gewissheiten genügen.

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