„Eigentlich hatte ich 130 Kilo erwartet“

Andreas Sidon hat zwei Nächte in Folge kaum geschlafen, eigentlich gar nicht. Der 52-jährige Profiboxer hat in der Olsberger Konzerthalle am Samstag seinen WM-Titel des Verbandes WBB gegen den Serben Dragan Janjanin verteidigt. Seinen Gegner - gerade mal halb so alt wie er - hat er nach der Absage des Briten Danny Williams erst am Freitagabend erfahren. Aber es war die Aufregung, vor so vielen alten Bekannten in seiner Heimat zu boxen, die Sidon den Schlaf geraubt hat. Und die Nacht danach? Da hat der Zwei-Meter-Mann seinen Sieg bis zum Morgengrauen gefeiert. Bevor Sidon sich zur Entspannung in die Sauerlandtherme aufgemacht hat, haben wir mit ihm telefoniert.

1 Herr Sidon, wie geht es Ihnen heute? Tut Ihnen etwas weh?

Bei mir ist alles gut, ich kann Ihnen ein Foto von mir schicken. Ich sehe aus wie ein Urlauber.

2 Sie haben erst kurzfristig erfahren, wer Ihr Gegner war. Was war passiert?

Danny Williams, mein eigentlicher Gegner, hat wegen einer Knieverletzung keine Freigabe bekommen. Es war nicht klar, ob er kommt, das hat man mir lange verheimlicht. Erst am Freitagabend habe ich mitgeteilt bekommen, dass er nicht kann und es einen Ersatzgegner gibt. Ich kannte den überhaupt nicht. Ich war überrascht, als ich den Serben gesehen hab. Der war nur 1,76 m groß und 97 kg schwer. Ich hatte ja mit Williams 130 kg und 1,92 m erwartet.

3 Gut für Sie, oder nicht?

Überhaupt nicht, der war so eine unangenehme Wühlmaus, den habe ich kaum getroffen, ist immer wieder abgetaucht. Ich dachte schon, dass er vielleicht nach fünf Runden kaputt ist, aber der hat bis zur zwölften Runde gekämpft! 90 Minuten nach dem Kampf habe ich noch geschwitzt.

4 Was hat es für Sie bedeutet, in Ihrer Heimat vor fast 700 Zuschauern zu boxen?

Das war ganz besonders für mich, ich war ja seit meiner Jugend kaum hier. Ich habe so viele Bekannte von früher in den Arm geschlossen. Toll war es auch, vor den Kids aus dem Kinderheim Olsberg zu kämpfen, ich war selber früher hier ein Heimkind. Und: Mein Sohn hat sein Debüt im Olsberger Ring erfolgreich gefeiert, das hat mich stolz gemacht. Er hat das Boxen im Blut.

5 Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Ich habe seit acht Monaten wieder eine Freundin, eine Kunststudentin aus China. Die ist nun wieder in Peking. Ich habe vor ihr zu folgen. Sie ist zwar jung, aber reich. Sie hilft mir, Kontakte zu knüpfen, und dann möchte ich dort mithelfen, das ­Boxen aufzubauen. Das reizt mich. Selbst wenn ich nur für einen chinesischen Schwergewichtler als Sparringspartner dienen würde.