Dunkle Wolken hängen über der Formel 1

Die Formel-1 hängt auf einem sinkenden Ast. Sinkende Zuschauerzahl und wenig Interesse zwingt zu neuen Wegen.
Die Formel-1 hängt auf einem sinkenden Ast. Sinkende Zuschauerzahl und wenig Interesse zwingt zu neuen Wegen.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Die Königsklasse des Motorsports kämpft um die Gunst der Zuschauer. Demnächst wohl mit leichteren Autos, breiteren Reifen – und mehr Krach.

Monte Carlo.. Es geht natürlich auch um die Show. Das ist in einem Sport wie der Formel 1 nicht verwerflich, beim Großen Preis von Monaco schon gar nicht. Das Rennen, das sie die „Krone der Königsklasse“ nennen, obwohl es bestenfalls fürstlich ist, erscheint als der beste Ort, um eine strahlende Zukunft des Top-Motorsports zu skizzieren. Doch ein einziger Regenguss aus den Seealpen reicht, um die Tristesse zu spiegeln: 57 der 90 Trainingsminuten lang haben die Zuschauer keinen Rennwagen gesehen, weil die Fahrer und Teams sich nicht raustrauten. Die löbliche Aktion, dass wenigstens Kinder freien Eintritt hatten, verpuffte.

Schnellere Rundenzeiten

Weshalb es kaum glaubhaft erscheint, was die Strategiegruppe nach ihrem jüngsten Meeting alles verspricht: Vom übernächsten Jahr an sollen die Rundenzeiten sollen um fünf bis sechs Sekunden sinken. Möglich gemacht durch eine neue Aerodynamik, durch leichtere Autos und breitere Reifen. Dazu sollen die Rennwagen einen aggressiveren Look erhalten. Und die Motoren sollen stärker und lauter werden. Doch die Finanzprobleme, die mindestens die Hälfte des Starterfelds bedrohen, tastet das Gremium (Ferrari, Mercedes, Red Bull, McLaren, Williams und als Armen-Vertreter Force India sowie Bernie Ecclestone und Automobilverbands-Präsident Jean Todt) nicht an. Damit es in zwei Jahren überhaupt noch zehn Rennställe gibt, sollen die Großen den Kleinen die Gebrauchtwagen verleihen – was endgültig zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen würde.

Motorsport Selbst die Rennfahrer merken, dass es so nicht weitergehen kann. Sie suchen Hilfe bei denen, die das alles bezahlen: „Wir wollen, dass die Formel-1-Fans uns dabei helfen, die Zukunft unseres Sports mitzugestalten“, steht im Aufruf der Rennfahrergewerkschaft GPDA. Die Piloten haben 50 Fragen zu verschiedenen Aspekten der Formel 1 formuliert. Sebastian Vettel, einer der Gewerkschaftssprecher, erwartet konstruktive Kritik: „Ich hoffe, dass es uns Fahrern und der Formel 1 als Sport helfen wird, Entscheidungen zum Besseren zu beeinflussen.“ Die Aktion läuft zwei Monate, der Heppenheimer hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: „Ich hätte gerne einen viel größeren Motor, mehr Power, bessere Reifen.“

Das beste Beispiel dafür, wie verfahren die Situation ist, war ein gutes Stündchen vor dem Auftritt der Fahrer in Monte Carlo zu besichtigen, als die führenden Teamchefs Hof halten durften. Die Kritik an den Entscheidungen der Strategen geht Mercedes-Teamchef Toto Wolff an die Nerven. Die Diskussion um die Wiedereinführung des Nachtankens als Spannungselement nutzt der Österreicher zum Gegenangriff: „Egal mit welchen Vorschlägen wir ankommen, alles ist Scheiße.“ Wolff, dem als Konzernvertreter besonders am Marketingwert der Formel 1 gelegen sein muss, fordert einen Stimmungswandel: „Eine der Regeln, die wir festgelegt haben, ist, dass wir den Sport nicht schlechtreden. Möglicherweise müssen wir das noch einmal bekräftigen.“

Sechs Teams, sechs Ansichten

Der Fehler liegt im System. Sechs Rennställe geben die Regeln vor, Ferrari, Mercedes, Red Bull, McLaren, Williams und als Armen-Vertreter Force India. Das sind sechs egoistische Ansichten. Kein Wunder, dass sich die Wettbewerbskommission der EU für das Reglements- und Finanzmodell der Formel 1 interessiert. Zu tragfähigen Lösungen für die Allgemeinheit kommt es selten. Bob Fernley, der Vize-Teamchef von Force India, hält das gesamte Modell für überkommen: „Diese Strategiegruppe ist die falsche für den Zweck.“

Die Formel 1, auch in Monte Carlo ein Kreisverkehr. Der langsamste des Jahres.