Düsseldorf feiert wieder

Düsseldorf..  Nun gewinnt die Düsseldorfer EG sogar schon in Wolfsburg. Ein Sieg beim Angstgegner, daran konnte sich selbst Eishockey-Haudegen und DEG-Kapitän Daniel Kreutzer nicht mehr erinnern. „Wenn ich ehrlich bin, nicht“, meinte der erfolgreichste Scorer der DEL-Geschichte am Sonntag nach dem 2:1. Gut drei Jahre ist es her, dass der zwischenzeitlich böse abgestürzte Serienmeister vergangener Jahre in Wolfsburg triumphierte. In 13 Spielen setzte es ansonsten zuletzt zwölf Niederlagen. Ziemlich heftige waren darunter, oft kassierte der achtmalige deutsche Meister in der Eisarena gleich sieben Gegentreffer, zuletzt beim 0:7 am ersten Spieltag.

Große Personalprobleme

Damals spotteten viele, das vollmundig vorgetragene Saisonziel Playoff-Platz der Rheinländer sei wohl nur eine PR-Nummer. Mitnichten. „Damals musste ich eine herbe Niederlage erklären. Wer hätte da schon gedacht, dass wir heute, nach 42 Spieltagen punktgleich mit Wolfsburg sind?“, fragte Trainer Christof Kreutzer, Daniels älterer Bruder, voller Stolz. Die Teilnahme an den Playoffs scheint auf jeden Fall machbar. Und das, obwohl das Kreutzer-Team personell arg gebeutelt ist, vor allem in der Verteidigung. Dort fehlen zur Zeit gleich viel Spieler: Drew Schiestel, Shawn Belle sowie Jakub Ficenec und Tim Conboy, die in der vergangenen Saison mit Ingolstadt noch Meister wurden.

Das nötigte selbst Wolfsburgs Coach Pawel Gross Respekt ab: „Die DEG hat verdient gewonnen. Und das obwohl ich heute keinen Conboy und keinen Belle gesehen habe.“ In Wolfsburg hatte die DEG im Prinzip nur vier Abwehrspieler von DEL-Format auf dem Eis, dazu die Youngster Jonas Noske (19) und Hagen Kaisler (18). „Es muss jeder einen Schritt mehr machen zur Zeit. Jeder muss die jungen Spieler unterstützen“, meinte der ehemaligen Nationalspieler Kreutzer.

Das allein ist es allerdings nicht, was den Wandel ausmacht in dieser Spielzeit. Zumal solche Kraftakte wie am Sonntag, als die Düsseldorfer Rumpftruppe von Beginn an ackerte und kämpfte, wohl nicht auf Dauer gut gehen. „Es ist natürlich auch ausschlaggebend, dass es aus den Köpfen raus ist, eine Verlierermannschaft zu sein. Wir wissen jetzt, dass wir wieder eine Gewinnermannschaft sind“, meinte Kapitän Kreutzer, der selbst wieder ein Tor zum Sieg beisteuerte.

Die Gewinnermentalität musste die DEG erst wieder lernen. Auch in dieser Saison, der Start in die Spielzeit war schlecht. „Wir haben viele neue Spieler bekommen und mussten uns als Mannschaft erstmal finden“, erklärt Daniel Kreutzer, dessen Bruder Christof vor der Saison vom Co-Trainer zum Chef an der Bande aufgestiegen war. „Das ist harte Arbeit, aber auch ein guter Zusammenhalt in der Mannschaft, sowohl auf als auch abseits des Eises“, erklärte der 47-Jährige kurz die Entwicklung vom DEL-Punktelieferanten zum Playoff-Kandidaten.

Offenbar brachte Christof Kreutzer, der in den 1990er Jahren als Spieler fünfmal Meister mit der DEG wurde, dem Team den Siegeswillen zurück. Inzwischen hält auch sein Bruder wieder vieles für möglich. Sogar dessen erste Meisterschaft. „Sonst bräuchte ich nicht weiter zu spielen“, bekräftigte das Düsseldorfer Urgestein – Daniel Kreutzer ist inzwischen 35. Viel Zeit bleibt also nicht mehr, um zumindest in dieser Hinsicht aus dem Schatten seines großen Bruders zu treten.