„Du wirst immer bei uns sein“

Wolfsburg..  Zwischen all den Kerzen, die von Fans vor dem Vip-Bereich abgestellt worden sind, lag ein DIN-A4-Zettel. Er trug die Aufschrift: „Wir kannten Dich nur als Spieler, nicht als Menschen.“ Unter die Trauer um Fußballprofi Junior Malanda, der am Samstagnachmittag bei einem Verkehrsunfall auf der A2 tödlich verunglückt ist, mischt sich Fassungslosigkeit. Spieler, Fans und Verantwortliche des VfL Wolfsburg müssen die schockierende Nachricht verarbeiten, dass sie einen lebenslustigen Mitmenschen verloren haben, von dem sie noch viel wissen wollten.

Der 20 Jahre alte Malanda war belgischer Junioren-Nationalspieler und fest in den Profikader des VfL integriert. Er ist auf dem Weg zum Flughafen in Braunschweig verunglückt, von wo aus die Wolfsburger ins Trainingslager nach Südafrika fliegen wollten. Schweren Herzens ist das Team am Sonntagabend dorthin aufgebrochen.

Der Versuch, die schlimme Nachricht zu erklären, gelang Dieter Hecking nur bedingt. Der Wolfsburger Chefcoach brach in Tränen aus, als er begann, den Tod von Malanda in Worte zu fassen. „Es fällt mir nicht leicht. Junior ist nicht mehr bei uns“, sagte Hecking über einen Profi, dem alle eine große Karriere prophezeit hatten. Der Trainer und sein Team sind in Wolfsburg bereits von Seelsorgern betreut worden. Hecking steht vor der schwierigen Aufgabe, die VfL-Profis auf den Rückrundenstart am 30. Januar gegen Bayern München vorzubereiten.

Unangenehme Fragen für den VfL

Auf dem Weg dahin entflieht er den bohrenden Nachfragen zu einer Tragödie, die sich in der Nähe von Porta Westfalica abgespielt hat. Malanda war Beifahrer eines Autos, das bei stürmischem Wetter und starkem Regenfall ins Schleudern gekommen war. Fahrer und Beifahrer sollen schwer verletzt sein. Für Malanda, der auf dem Rücksitz saß, kam jede Hilfe zu spät. „Wir sind alle zutiefst bestürzt und können unsere Trauer nicht in Worte fassen“, sagte Geschäftsführer Klaus Allofs.

Die Anteilnahme für Malanda belegt aufs Neue: Fußballprofis haben einen besonderen Status. Sie werden schon im Führerscheinalter ins Rampenlicht gezerrt und verdienen sehr viel Geld. Die meisten von ihnen führen ein Leben auf der Überholspur. Malanda galt als sehr lebensfroh und konnte selbst über Rückschläge herzhaft lachen. Im ersten Spiel der Saison gegen die Bayern verstolperte er eine große Torchance und wurde dafür bundesweit verspottet. Malanda hatte die Gabe, sich davon nicht irritieren zu lassen. „Junior war ein Strahlemann, ein Lebemann. Ein Kraftprotz, den man in die Arme nehmen und drücken konnte“, sagte Allofs.

Wann die Beerdigung von Malanda ansteht, darüber werden auch die Ermittlungen der Polizei entscheiden. „Wir werden auf alle Fälle dabei sein“, verspricht VfL-Boss Allofs. Das Opfer soll während des Unfalls aus dem Wagen geschleudert worden sein, es muss untersucht werden, ob Malanda angeschnallt war. Unangenehme Fragen wie diese werden den VfL noch eine Weile begleiten. Die Entscheidung des Vereins, nicht gleich zur Tagesordnung überzugehen und doch mit nur einem Tag Verspätung die geplante Reise ins Trainingslager aufzubrechen, ist keinem der Beteiligten leicht gefallen.

Trauerbewältigung übers Internet

Allofs hatte den Spielern die schlimme Nachricht als Erster überbringen müssen. Mehrere Spieler hatten am Tag des Unfalls noch telefonischen Kontakt zu Malanda. Die Mehrheit der Wolfsburger Profis versuchte, die erste Trauer mit Hilfe der sozialen Netzwerke im Internet zu verarbeiten. „Ich habe einen großen Freund verloren. Ruhe in Frieden, Du wirst immer bei uns sein“, schrieb etwa Malandas Landsmann Kevin de Bruyne in einer Twitter-Nachricht.