Druck auf deutsche Fechter bei WM in Moskau "sehr groß"

Die Fecht-Weltmeisterschaften vom 13. bis 19. Juli in Moskau sind ein fast schon vorentscheidender Wettkampf auf dem Weg nach Rio de Janeiro.

Düsseldorf.. Für Peking-Olympiasiegerin Britta Heidemann und die weiteren deutschen Starter steht in der russischen Hauptstadt die harte Qualifikation für die Spiele 2016 in Brasilien im Mittelpunkt. Punkte müssen her - das ist die Maxime. Die Deutsche Presse-Agentur beantwortet wichtige Fragen:

Warum hat die WM einen besonders hohen Stellenwert?

Weil es in den Mannschaftswettbewerben die doppelte und im Einzel sogar die zweieinhalbfache Ranglisten-Punktzahl zu gewinnen gibt. Die olympischen Team-Events (Herrendegen, Herrenflorett, Damendegen und Damensäbel) sind maximal neun Ländern vorbehalten - und nur bei erfolgreicher Olympia-Qualifikation über die Mannschaft dürfen dann im Einzel jeweils auch drei Fechter/Fechterinnen in Rio auf die Planche.

Welche Vorgaben gibt es im Deutschen Fechter-Bund für Moskau?

"Zwei bis drei Medaillen sind das Ziel", sagt Sportdirektor Sven Ressel. Das sei auch realistisch; vor einem Jahr gab es im russischen Kasan Premieren-WM-Gold für das männliche Säbel-Quartett und Silber für Degen-Ass Britta Heidemann. Viel wichtiger ist für Ressel indes, dass viele Punkte für die knallharte Olympia-Ausscheidung geholt werden. Ressel: "Da müssen wir in Moskau unsere Positionen verbessern. Der Druck ist schon sehr groß."

Gibt es im deutschen Verband bereits Erkenntnisse über die Team-Größe für Rio?

Das ist selbst den internen Experten nicht völlig klar und sei "zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt noch nicht absehbar", sagt Ressel. Laut aktuellem Stand gebe es "keine verlässliche Größe". Sogar der Weltverband FIE führt keine öffentlich zugängliche Olympia-Qualifikationsrangliste. Erst nach der WM könne er "eine klarere Tendenz vorlegen", betont der deutsche Sportdirektor.

Was geschieht, wenn es in der russischen Hauptstadt nicht zu den erwünschten und ersehnten Zusatzpunkten kommt?

Dann bleiben noch weitere Team-Weltcups, in denen Qualifikations-Punkte für Rio geholt werden können. Der Erfolgsdruck wird dann aber noch größer. Ressel: "Dann wird es heiß."

Mit welcher Waffe gibt es in Moskau die größten deutschen Medaillen-Erwartungen?

Im Herrensäbel: Nicolas Limbach, Benedikt Wagner, Max Hartung und Matyas Szabo starten im Team als Titelverteidiger. Vor vier Wochen wurde Deutschland in Montreux auch Mannschafts-Europameister; Hartung gewann dort Einzel-Silber. Zudem ist das Trio Hartung (9.), der ehemalige Individual-Weltmeister Limbach (11.) und Szabo (15.) unter den Top 16 der Weltrangliste platziert. Herrensäbel ist 2016 indes kein olympischer Team-Wettbewerb. Medaillenchancen hat auch Britta Heidemann: Oft genug hat die 32-Jährige mit dem Degen bewiesen, dass ein Podestplatz möglich ist.