DOSB: „Pechstein ist Opfer“

Berlin..  Zwei Wochen nach ihrem Erfolg vor dem Oberlandesgericht München hat Claudia Pechstein im Kampf um ihren Ruf und eine Millionen-Euro-Schadenersatzklage weiteren Rückenwind bekommen. Eine Experten-Kommission bestätigte am Donnerstag, dass die medizinische Bewertung als Grundlage des Dopingurteils gegen die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin falsch war. „Claudia Pechstein gilt damit aus unserer Sicht als Opfer. Man kann nur um Entschuldigung bitten“, erklärte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte die Kommission eingesetzt – und stellte sich nun klar auf Pechsteins Seite. „Sie hat über Jahre hinweg eine Konstellation ertragen müssen, die damit wohl ungerechtfertigt war“, sagte Hörmann. Pechstein stufte die Ergebnisse als „zweiten Meilenstein“ ein. „Moralisch fühle ich mich bereits rehabilitiert“, erklärte die 42-Jährige und fügte hinzu: „Erst wenn das Urteil gegen mich aus der Welt ist, die ISU ihren Fehler eingestanden hat und ich finanziell entschädigt wurde, werde ich zur Ruhe kommen.“

Seit rund sechs Jahren erregt der Fall Aufsehen. Pechstein bestreitet Doping und erklärt ihre schwankenden Werte mit einer geerbten Blutanomalie – die das Experten-Gremium nun bestätigte. Aufgrund erhöhter Retikulozyten-Blutwerte hatte sie der Eislaufverband ISU 2009 ohne Doping-Nachweis für zwei Jahre gesperrt. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte die Sperre bestätigt. Vor zwei Wochen bekam Pechstein vor dem Oberlandesgericht München recht. Im weiteren Ablauf muss nun der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil von München bestätigen, das Pechsteins mit der ISU getroffene Schiedsvereinbarung für unwirksam erklärt und die CAS-Entscheidung nicht anerkannt hatte. Dann könnte sich wieder das OLG mit den Details beschäftigen und auch über ihre Schadenersatzforderung von mindestens 4,4 Millionen Euro verhandeln.