Dortmund kann noch mehr

In ihrer typischen Bescheidenheit haben die Dortmunder ihr Europapokal-Ziel als zweitrangig formuliert: Der zweite Platz in der Gruppe F der Champions League sei erstens ganz in Ordnung und zweitens realistisch. Schon in seinem Kicker-Interview wollte BVB-Geschäftsführer Watzke nichts von einer Bayern-Jagd wissen: Auch in der Bundesliga sei Platz 2 okay.

Manchmal wünschte man sich, Borussia Dortmund wäre etwas mutiger. Aber beim Sieg gestern Abend bei Sporting Lissabon konnte man sehen, warum die BVB-Führung so vorsichtig agiert. Einerseits spielt das Tuchel-Team konsequent in der Abwehr, zielstrebig und schnell nach vorne, alles mit schlauen Rochaden der Viererketten. Andererseits provoziert ein Verteidiger wie Bartra mit seinem Rückpass zum Torwart das Gegentor und riskiert den Erfolg der Mannschaft.

Die Leistungsschwankungen sind, bei allem Verständnis angesichts der Verletztenliste, ärgerlich. Zwangsläufig fühlt man sich an die unnötigen Punktverluste in der Bundesliga erinnert.

Natürlich sind zweite Plätze eine wunderbare Ausbeute. Aber darf’s nicht ein bisschen mehr sein? Die Bayern müssen heute gegen Eindhoven beweisen, dass ihre Schwächephase nicht in einer Krise in der Bundesliga mündet. Es wäre schade, wenn Bayern kriselt — und der BVB hätte einen zu großen Abstand.