Doppel-Weltmeisterin Maze versteht Vonns Tränen

Vail/Beaver Creek..  Die Weltmeisterin rieb sich die müden Augen, für einen Moment schien sie sogar wegzunicken. Alle Energie war aus Tina Mazes Körper gewichen. Mit letzter Kraft hatte sie eine halbe Stunde zuvor im Zielraum ein Rad geschlagen. Diese Übung ist ein Markenzeichen der Slowenin, aber selten einmal fiel es ihr so schwer. Am soeben absolvierten Slalomlauf der alpinen Kombination bei der Ski-WM in Vail/Beaver Creek allein kann es nicht gelegen haben, dass Tina Maze am Ende eines erfolgreichen Tages Mühe hatte, sich auf den Beinen zu halten.

Es ist das Leid der Vielfahrerin, denn als einzige Skirennläuferin der absoluten Weltspitze absolviert sie jedes Rennen, schon im Weltcup, und jetzt auch bei der WM. Die Kombination war bereits ihr dritter Start in Vail/Beaver Creek, insgesamt tritt sie fünfmal an, nur den Teamevent am Dienstag ließ sie aus. In der vergangenen Saison gab es für Maze in Maria Höfl-Riesch noch eine Mitstreiterin, und auch die mittlerweile zurückgetretene Deutsche hatte manchmal über die Belastung als Allrounderin geklagt.

„Du spürst nicht jeden Tag diesen hundertprozentigen Hunger zu gewinnen“, gibt Maze zu. „Und heute war so ein Tag.“ Sie musste ihre letzten Kräfte im Slalom mobilisieren, um wenigstens noch 0,22 Sekunden von ihrem komfortablen Vorsprung aus der Abfahrt vor der Österreicherin Nicole Hosp ins Ziel zu retten. „Das war nicht mein bester Slalom“, weiß sie. Aber dieses Gold zu gewinnen, hatte für Maze eine besondere Bedeutung. Sie habe bei den letzten Großereignissen immer zu den Favoritinnen gezählt, „aber ich habe es nie geschafft. Heute hatte ich das Gefühl, dass ich es machen muss.“

Zwei Tage Pause zur Erholung

Maze hat ihrer ohnehin schon famosen Karriere in Colorado noch weitere Glanzpunkte hinzugefügt. Das Gold am Montag war das zweite nach dem in der Abfahrt, im Super-G hatte sie Silber gewonnen. Sie wisse, sagt die 31-Jährige, sie könne in jedem WM-Wettbewerb eine Medaille holen: „Das wäre verrückt, aber vorher brauche ich eine Pause.“ Zwei Tage bleiben ihr zur Erholung bis zum Riesenslalom am Donnerstag.

Lindsey Vonns Tränen nach deren nächster verpassten WM-Medaille konnte Tina Maze übrigens gut nachvollziehen. „Ich weiß genau, wie das Gefühl ist, wenn die Dinge nicht laufen, wie du willst.“ Vonn erklärte, sie versuche, die Kombination „so schnell wie möglich zu vergessen“, ihr Knie zu schonen und sich auf den Riesenslalom vorzubereiten.“ In der Super-Kombination hatte ein Einfädler im Slalom jeden Medaillentraum zerstört.