Jahresrückblick
Doping, Lügen, Manipulationen - Sport-Skandale 2009
28.12.2009 | 17:26 Uhr 2009-12-28T17:26:00+0100
Essen. Der tiefe Fall hoch angesehener Sportlerinnen, ein neuer Wettskandal im Fußball, Manipulationen im Handball und in der Formel 1: Selten wurde der Sport von so vielen Skandalen erschüttert wie 2009.
National und international hielten erschreckende Enthüllungen die Sportwelt das ganze Jahr in Atem. Der Begriff Retikulozyten wird zum Albtraum für Claudia Pechstein. Ohne einen positiven Dopingbefund, einzig anhand von Indizien wird die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin im Juli vom Weltverband ISU für zwei Jahre gesperrt. Der erfolgreichsten deutschen Winter-Olympionikin werden auffällige Blutwerte zum Verhängnis. Die 37-Jährige geht dagegen an, doch der Internationale Sportgerichtshof CAS bestätigt die Sperre. Per Eilantrag erhält Pechstein vom Schweizer Bundesgericht das Startrecht beim Weltcup in Salt Lake City. Doch ihr Traum von der zehnten Olympiamedaille in Vancouver 2010 platzt: Sie verpasst die Norm, bleibt aber kämpferisch: "Das war mit Sicherheit nicht mein Karriereende."
Dressurreiten: Isabell Werths positiver Dopingtest
In Dressurreiterin Isabell Werth stürzt eine weitere fünfmalige Olympiasiegerin tief: Ende Juni enthüllt der Reitsport-Weltverband FEI einen positiven Dopingtest bei ihrem Pferd Whisper. Der Nachweis eines Psychopharmakons, angeblich zur Behandlung der Zitterkrankheit eingesetzt, führt zur sechsmonatigen Sperre. Werth: "Ich wollte mit dem Medikament keine Leistung manipulieren, es ging nicht um Fitspritzen. Es war eine therapeutische Maßnahme."
Fußball: Wieder ein Wettskandal
Im November bricht die vermeintlich heile Welt des Fußballs zum zweiten Mal nach dem Fall Hoyzer 2005 in sich zusammen. Justiz und Verbände sehen sich mit Wettmanipulation und Bestechung ungeahnten Ausmaßes konfrontiert. Von Shanghai bis in die Regionalliga zieht die Wettmafia die Strippen. Laut Staatsanwaltschaft Bochum sind 2009 in Deutschland 32 Spiele von der 2. Liga abwärts verschoben worden. Seit 2007 stehen mehr als 60 Spiele in Deutschland unter Manipulationsverdacht. Europaweit wurden nach Angaben der Behörde sogar mehr als 200 Spiele von der Wettmafia beeinflusst. Immerhin: Die 1. Bundesliga soll verschont geblieben sein. Als erster Spieler gibt Marcel Schuon vom Drittligisten SV Sandhausen zu, in der vergangenen Saison in Diensten des VfL Osnabrück Absprachen zur Manipulation getroffen zu haben, ohne diese umzusetzen. Er wird gefeuert. Pikant: Sein Ex-Verein stieg in der letzten Spielzeit aus der 2. Liga ab.
Formel 1: Briatore und der Unfall-Skandal
Auch die Formel 1 hat ihren Skandal. Beim Großen Preis von Australien wird Toyota-Pilot Jarno Trulli wegen regelwidrigen Überholens in der Safety-Car-Phase bestraft, wodurch Lewis Hamilton auf Platz drei vorrückt. Hamilton und McLaren-Sportdirektor Dave Ryan behaupten: es gab keine Anweisung, Trulli überholen zu lassen. Die Funksprüche belegen, dass beide lügen. Hamilton zeigt Reue und entschuldigt sich, Ryan wird suspendiert, McLaren-Chef Ron Dennis tritt zurück. Der Automobil-Weltverband FIA zeigt sich milde - das Team kommt mit einer Sperre für drei Rennen davon, die für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt wird. Dann der Unfall-Skandal: Der Crash von Nelson Piquet junior in Singapur 2008 wurde von Renault vorsätzlich herbeigeführt, damit Teamkollege Fernando Alonso zum Sieg fahren kann. Die FIA belegt Renault mit lebenslanger Sperre, sie wird zur Bewährung ausgesetzt. Dagegen wird Teamchef Flavio Briatore als Drahtzieher lebenslang von allen FIA-Rennserien ausgeschlossen. Das Jahr 2009 beweist: Die Sportwelt leidet unter den Problemen der Gesellschaft. Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes: "Auch bei uns gibt es nicht nur Engel. Der Sport ist keine Insel der Seligen."
Handball: Betrugsverdacht beim THW Kiel
Im Handball soll Rekordmeister THW Kiel beim Gewinn der Champions League 2007 die Schiedsrichter bestochen haben. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt wegen Betrugsverdachtes gegen Manager Uwe Schwenker und Ex-Trainer Noka Serdarusic. Schwenker muss gehen, er kann den Verbleib von 152.000 Euro nicht erklären. Schiedsrichter sprechen offen über Bestechungsversuche. Das deutsche Gespann Frank Lemme und Bernd Ullrich rückt in den Fokus. 2006 sollen Zollbeamte 50.000 Dollar in ihrem Gepäck gefunden haben, Lemme/Ullrich weisen jede Form von Bestechung von sich und werden bis zur Klärung der Vorwürfe suspendiert. (sid)
23:52
Dieses ganze Dopinggesülze entbehrt doch jeder Vernunft.
Jeder Medizinstudent im dritten Semester kann erklären warum und wieso dieses oder jenes aus medizinisch belegbaren Gründen einfach nicht möglich ist.