Djokovic holt zum fünften Mal den Titel in Australien

Melbourne..  Nach dem Sieg warf er den Schläger ins Publikum, später landeten seine Tennisschuhe unten bei den Fans, und er kostete die ganze kollektive Freude auch diesmal wieder aus. Mit seinem Sieg in vier Sätzen gegen Andy Murray (7:6, 6:7, 6:3, 6:0) schnappte sich Novak Djokovic in Melbourne seinen fünften Titel bei den Australian Open, den achten insgesamt bei einem Grand-Slam-Turnier.

Zweieinhalb Sätze lang hielten alle in der Rod-Laver-Arena immer wieder den Atem an. Rund 10 000 Kilometer entfernt ging es der Gattin und Mutter des gemeinsamen Sohnes nicht besser. Während der vergangenen Woche hatte Jelena Djokovic aus Monte Carlo immer wieder aufmunternde Botschaften geschickt, diesmal schrieb sie Ende des dritten Satzes auf Twitter, sie halte die Spannung nicht mehr aus und gehe jetzt zum Luftholen vor die Tür. Die Beobachter in der Arena wären zu diesem Zeitpunkt nur unter Androhung von Gewalt dazu bereit gewesen.

Zweieinhalb Stunden brauchten Djokovic und Murray für die ersten beiden Sätze, die sehr an die Lieblingssportart des schottischen Herausforderers erinnerten: Boxen. Mal hing der eine an den Seilen fest und kassierte einen Wirkungstreffer nach dem anderen, mal der andere.

Danach schien Andy Murray im Vorteil zu sein. Elan und Souveränität reichten aber nur noch bis zum 3:3 im dritten Satz. Dann kassierte er ein schmerzhaftes Break und von diesem Moment an rauschte er mit zunehmender Geschwindigkeit in den Keller; bis zum Ende der Partie gewann er kein einziges Spiel mehr.

Djokovic, der zwischendurch immer wieder so ausgesehen hatte, als müsse ein Sekundant für ihn das Handtuch werfen, wirkte am Ende so frisch und tatkräftig, als sei nicht die Gattin daheim in Monte Carlo beim Spaziergang gewesen, sondern er. „Das ist bei weitem mein erfolgreichstes Turnier. Dieser Titel ist aber noch einmal etwas Besonderes, weil er mein erster als Ehemann und Vater ist. Das ist ein ganz spezielles Gefühl.“ Sein Coach Boris Becker, auch Ehemann und Vater, feierte mit einem lauten „Yes“ auf der Tribüne.

Williams zum Feiern genötigt

Zu diesem Zeitpunkt hatte Grand-Slam-Rekordjägerin Serena Williams ihre Titel-Party schon hinter sich. Die 33-Jährige wollte nach ihrem 6:3, 7:6 (7:5)-Finalsieg gegen Maria Scharapowa nur noch schlafen, wurde von ihrem Team aber zum Ausgehen genötigt. Mit ihrem 19. Grand-Slam-Titel hat Williams nur noch Steffi Graf (22) vor sich.