Die Zweifel an Roberto Di Matteo

Wenn jemand Roberto Di Matteo fragen würde, wann er denn mal auf Schalke anzukommen gedenke, würde der Trainer vermutlich antworten: „Wir haben in dieser Woche gut trainiert, ich habe Vertrauen in die Spieler.“ Diese Antwort gibt er häufig, die vorher gestellten Fragen sind austauschbar. Der Mann lässt sich nicht aus der Reserve locken, er wirkt immer auf die gleiche Art kontrolliert. Ohne Frage: Der Italiener ist ein höflicher, freundlicher Mensch mit guten Umgangsformen. Emotionen aber hält er bewusst unter Verschluss.

Ein distanzierter Trainer, der keine Regungen zeigt, passt allerdings so gut zu Schalke wie Lackschuhe zum Bergmann. Selbst in diesen für den Verein und für ihn schwierigen Tagen lässt sich nicht genau ausmachen, was er wirklich denkt und fühlt. Er betont, dass er seine Mannschaft für eine „gesunde Gruppe“ hält. Das wirft die Frage auf, warum sie so einfallslos und leidenschaftslos auftritt. Wenn sowohl eine Entwicklung als auch die Resultate ausbleiben und das Saisonziel Champions League dadurch weit verfehlt wird, wirkt ein Trainer, der immer wieder erklärt, dass der Spielaufbau und der Torabschluss verbessert werden müssten, nur noch ratlos.

Zu Beginn der Rückrunde war zumindest noch ein Konzept erkennbar – es war der klassisch italienische Ergebnisfußball: Hinten dicht machen und vorne hoffen – Effektivität vor Attraktivität. Di Matteo wurde zum Spaßverderber für die Gegner, inzwischen aber haben die eigenen Fans keine Freude mehr an Schalkes Fußball. Sie sind auf der Palme, weil es für sie unerträglich geworden ist, eine Mannschaft in Königsblau zu sehen, die bei spielerischer Armut auch noch zu wenig kämpft. Dies fällt in den Verantwortungsbereich des Trainers.

Es bestehen deshalb Zweifel, ob Roberto Di Matteo ein erfolgreicher Neuaufbau zuzutrauen ist. Wenn sich sein Team im letzten Saisonspiel an diesem Samstag in Hamburg nicht endlich zusammenreißt, dürfte es ganz eng für ihn werden.