Die Wüste ruft

Doha..  Das schönste Lob erreichte Carsten Lichtlein aus den USA. „Weiter so, Junge“, schrieb Basketball-Star Dirk Nowitzki seinem ehemaligen Mitschüler vom Röntgen-Gymnasium in Würzburg. Der Torwart war auf die Botschaft nicht weniger stolz als auf all die anderen mehr als 250 Glückwunsch-Nachrichten, die bereits in der Nacht bei ihm aufgelaufen waren. Der 34-Jährige hatte größten Anteil am Viertelfinaleinzug der deutschen Handballer bei der WM in Katar.

Beim 23:16-Sieg über Ägypten parierte der Torhüter 56 Prozent aller gegnerischen Würfe. „Dass es so läuft, in einem Do-or-Die-Spiel, ist sensationell“, staunte er auch mehr als zwölf Stunden nach seinen Glanztaten über sich selbst.

Nun ist an diesem Mittwoch (16.30 Uhr/Sky) erneut sein ganzer Einsatz gefragt. Gegen Gastgeber Katar geht es um den Einzug ins Halbfinale und damit auch um eine mögliche Medaille. „Realistisch ist das schon, aber das liegt an uns. Wir müssen unsere Leistung abrufen, aggressive Deckung, schnelle Tore – dann ist alles möglich“, gab der Torhüter des VfL Gummersbach die Marschrichtung vor.

Im Erfolgsfall bleibt die Auswahl des Deutschen Handballbundes dann mindestens bis zum Sonntag in Doha, weil dann sowohl das Finale als auch das Spiel um Platz drei stattfinden. „Das wäre sensationell“, meinte Lichtlein.

In Katar ist der 2,03 Meter große Keeper zur Nummer eins aufgestiegen. Dabei schien er Zeit seiner Karriere auf die Rolle als dritter Mann festgelegt zu sein. Henning Fritz, Johannes Bitter, Silvio Heinevetter – alle hatten sie meist den Vorzug bekommen. „Ich war zwar immer dritter Torhüter, aber es war ja nicht so, dass wir nur Pfeifen im deutschen Tor hatten. Da ist es keine Schande, wenn man nur Nummer drei ist“, sagte Lichtlein.

Doch in einem Fall hat ihn dies besonders hart getroffen: Er durfte nicht mit zu den Olympischen Spielen in Peking. „Das Tief in meiner Karriere war die Nichtnominierung für Peking“, sagte Lichtlein. Er war geknickt, aber nicht gebrochen – wie bei allen anderen Entscheidungen gegen ihn. „Die anderen Tiefs, als ich Nummer drei war, habe ich als Ansporn genommen, dass ich an mir arbeite und noch besser werde“, erzählte er.

Das große Ziel Olympia in Rio

In Katar hat der Weltmeister von 2007 die Rolle als Nummer drei abgelegt. Und das genießt er auf seine eigene, sympathische Art: Bescheiden und ohne Allüren. „Ich glaube, jetzt zahlt es sich aus. Manche hätten vielleicht gesagt, oh nee, keinen Bock mehr, ich höre mit der Nationalmannschaft auf. Aber so bin ich nicht. Ich bin Teamplayer, für mich geht der Erfolg der Mannschaft über alles“, erklärte Lichtlein.

Seine neue Motivation heißt Olympia in Rio de Janeiro. „Das große Ziel ist Rio 2016, und das geht nur über Katar im Viertelfinale“, sagte er. Im kommenden Jahr will er dann endlich sein Olympia nachholen.

Dafür bleibt er dann auch gern bis Sonntag in Doha, obwohl ihn seine Frau Isabell und die Söhne Luca und Leon dann noch ein paar Tage länger vermissen müssen. „Dann würden sie auch gern verzichten. Meine Frau ist immer überglücklich, wenn ich spielen darf“, sagte Lichtlein und rüstete sich für neue Großtaten.