Die Sorgen des Bundestrainers

Frankfurt/Hamburg..  Diesen Jahresabschluss in der Handball-Bundesliga hatte sich Bundestrainer Dagur Sigurdsson sicher anders vorgestellt. Dass er bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag mit seinen Füchsen Berlin erneut verloren hatte und auf Rang zehn abrutschte, das hatte er bis zum Sonntag einigermaßen verdaut. Doch dass er mittlerweile keinen Spieler mehr für die halblinke Position in seinem Weltmeisterschafts-Aufgebot hat, das tut dann doch weh. Finn Lemke vom TBV Lemgo zog sich beim 33:30-Erfolg seines Teams gegen MT Melsungen einen Mittelhandbruch zu. Und auch Göppingens Tim Kneule sowie Jacob Heinl aus Flensburg laborieren an Verletzungen. Bei beiden ist noch unklar, ob sie für die WM ab 15. Januar in Katar fit werden.

„Wir haben auf dieser Position wirklich die Seuche. Aber wir werden für die WM eine Mannschaft hinbekommen“, meinte Nationalteam-Manager Oliver Roggisch in Hamburg beim Spiel der Rhein-Neckar Löwen, die beim HSV mit 26:25 gerade so gewannen. Aber zunächst war auch Roggisch, der Weltmeister von 2007, ratlos. „Jeder, der halblinks spielen kann, ist jetzt eine Option“, sagte der frühere Nationalmannschafts-Kapitän.

Fabian Böhm nachnominiert

Zunächst nominierte Sigurdsson Fabian Böhm von HBW Balingen-Weilstetten nach. Aber auch Michael Kraus kommt wieder ins Spiel. Der Routinier von Frisch Auf Göppingen gehört im Gegensatz zu Böhm nicht zum WM-Kader, der sich am Sonntag in Frankfurt zu einem dreitägigen Lehrgang traf. Doch Kraus bewies mit zwölf Treffern bei der 33:36-Niederlage gegen den SC Magdeburg seine derzeit starke Form. „Ich spiele immer gern für Deutschland“, betonte der ehemalige Hamburger. Für dessen früheres Team war der Abschluss des Handball-Jahres 2014 dann doch versöhnlich. 12 036 Zuschauer in der ausverkauften Halle feierten ihren HSV trotz der unglücklichen 25:26-Niederlage gegen die Löwen. Kapitän Pascal Hens bedankte sich artig: „Wir sind froh, dass wir solche Fans haben.“

An der Unterstützung durch den Anhang hatte es nicht gelegen, dass die Hamburger den Tabellenzweiten nur am Rande einer Niederlage hatten. Vielmehr waren es die beim HSV herrschenden Rahmenbedingungen, die den möglichen Erfolg verhinderten. Denn nach dem Beinahe-Lizenzentzug im Sommer ticken die Uhren beim Deutschen Meister von 2011 und Champions-League-Sieger von 2013, der mit 20:24 Punkten auf dem elften Platz in die WM-Pause geht, anders.

HSV auf Trainersuche

Die Zeiten der Weltklassespieler sind in Hamburg vorbei. Und auch die Trainerfrage ist nach der Entlassung Christian Gaudins Mitte Dezember noch nicht geklärt. Bei dieser Entscheidung will sich der HSV Zeit lassen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Interimscoach Jens Häusler bis Saisonende weitermachen darf.