Die Sonne scheint nur für Hamilton

Sakhir..  Vor dem vierten Rennen dieser Formel- 1-Saison am Wochenende in Bahrain wird eine ziemlich genau ein Jahr alte Geschichte neu aufgeführt. „Sternenkrieg in der Wüstennacht?“, fragt eine Motorsport-Website, und in der Tat passt das auf die nächste Runde im Zweikampf zwischen den auch offiziell nicht mehr befreundeten Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg.

Drei-zu-null steht es in der Qualifikation für den Titelverteidiger, zwei-zu-null nach Siegen, und der Deutsche gerät so sehr unter Druck, dass er den Arbeitskollegen zuletzt in Shanghai anprangerte, er habe ihn absichtlich eingebremst. Hamilton konterte eiskalt: „Warum hast Du denn nicht versucht zu überholen?“ Dem Briten gehörten die Lacher, der Wiesbadener bekam nur Hohn. Alles andere als gute Voraussetzungen für einen Friedensschluss.

Den Schein sollen die beiden natürlich wahren, aber in Wirklichkeit ist auch die Teamführung dafür, dass sich die Rivalen die Hölle heiß machen. In der arabischen Steinwüste hatte der Zwist im Vorjahr begonnen, als aus den beiden Freunden im gnadenlosen Duell Feinde wurden, Rosberg hatte sich im rundenlangen In-Fight zu aggressiv angegangen gefühlt, Hamilton hätte mehrmals die zulässige Linie überschritten und fast einen Crash verursacht. Diese Aktion setzte sich über ein „Parkmanöver“ Rosbergs in Monte Carlo, über gegenseitige Behinderungen und den Bruch von Absprachen bis zum Rammstoß von Spa fort – und schließlich holte sich Hamilton im vergifteten Klima seinen zweiten Weltmeistertitel.

Seither grummelt der enttäuschte Rosberg und verbreitete, er sei der mental stärkere für das Jahr der Revanche. Alles, was bisher zu sehen war, ist jedoch: Hamilton wird mit jedem Erfolg über den direkten Kontrahenten souveräner, und diese Leichtigkeit treibt Rosberg in die Verzweiflung. Sogar soweit, dass er in China aus der Rolle des braven Angestellten schlüpfte und erst das Team offen angriff und dann Hamilton.

„Diese Jungs sind egozentrische Bastarde. Das ist aber auch der einzige Weg zu gewinnen“, sagt Niki Lauda dazu. „Nico ist genau wie Lewis und Lewis ist genau wie Nico.“ Und dass Hamilton dem Ankläger Rosberg kühl beschied, er würde nur nach seinem eigenen Rennen gucken, findet Lauda auch gut: „Es gibt keine Freundschaft da draußen. Wenn man fährt, dann muss man kämpfen.“

Der Österreicher hatte den Briten im Herbst 2012 als Nachfolger von Michael Schumacher verpflichtet. Als Teamaufsichtsrat verhandelt er nun schon seit Monaten über eine 80 Seiten umfassende Vertragsverlängerung um drei Jahre, es soll um ein Salär von bis zu 40 Millionen Euro per anno gehen. Fleißig macht Hamilton Eigen-PR: „Ich habe immer gesagt, dass Nico mental sehr stark ist. Aber jetzt glaube ich, dass ich in diesem Jahr stärker bin.“ Sich nur um seinen Kram zu kümmern, darin stimmen praktisch alle Rennfahrer in ihren Kommentaren Hamilton zu.

Duell Emotion gegen Ratio

Ein Vier-Augen-Gespräch zur Schlichtung sei nicht vorgesehen, sagt Rosberg, er kenne Lewis ja gut. Und über das Ausbremsen habe man am Morgen vor dem Rennen in Shanghai ja auch gesprochen – und es habe nichts genutzt. Trotzdem wird der Verhaltenskodex von Mercedes fortgeschrieben. Alle Unwägbarkeiten im Duell Emotion gegen Ratio könne man nicht vorhersehen, weiß Teamchef Toto Wolff, aber es gibt zumindest eine Richtung. Unfälle bauen, Ausfälle riskieren, das gibt Ärger – man appelliert bei beiden an die Rolle als Mercedes-Botschafter.

Sonst kommt die Stallorder. Hamilton sieht sich ohnehin klar als die Nummer eins im Team: „Er war mit dem zweiten Platz zufrieden, das ist eben der Unterschied zwischen uns“, sagte er britischen Reportern nach seinem jüngsten Sieg. Doch Rosberg tut alles, um nicht als Nummer zwei abgestempelt zu werden, daraus resultiert seine Verzweiflung. Deswegen geben sie sich weiter die Kante auf der Strecke. Etwas Besseres kann der Formel 1 in ihrem derzeitigen Zustand gar nicht passieren.