Die schwarze Serie

Bischofshofen..  Der viermalige Olympiasieger Simon Ammann war bewusstlos, als er nach seinem schweren Sturz beim Finalspringen der 63. Vierschanzentournee aus dem Zielraum von Bischofshofen getragen wurde. Wenig später kam die Nachricht, dass der kleine Schweizer zumindest wieder ansprechbar war. Ammann konnte Arme und Beine wieder bewegen, hatte aber im Gesicht schwere Abschürfungen und weitere Verletzungen erlitten. Sein Crash nach einer wie schon im ersten Tournee-Sprung in Oberstdorf missglückten Landung war der traurige Höhepunkt einer Sturzserie, die die Sicherheitsdiskussion im Skispringen neu anheizt.

US-Fähnchen auf der Trage

Tags zuvor hatte der US-Amerikaner Nicholas Fairall nach einem Sturz noch auf der Trage tapfer ein amerikanisches Fähnchen geschwenkt. Am Tag des Ammann-Sturzes hatte er seinen Galgenhumor schon wiedergefunden. „Haha, ich bin noch nicht tot!!“, twitterte er und schickte zudem ein Foto aus dem Krankenhaus mit dem Daumen nach oben in die Skisprung-Welt. Dabei hat der zweimalige US-Meister so schwere Wirbelsäulenverletzungen erlitten, dass er in einer Notoperation wieder stabilisiert werden musste.

Mit dem Einsatz eines Rückenprotektors hätten die schweren Blessuren, deren Folgen noch nicht absehbar sind, möglicherweise vermieden werden können. Generell verweist der Internationale Skiverband Fis darauf, dass sich das Risiko im Skispringen in den letzten Jahren vermindert habe.

Allerdings waren in Bischofshofen allein am Qualifikationstag vier Springer gestürzt, Fairall sogar zweimal. Dann folgte noch der Crash von Simon Ammann, einem der erfolgreichsten Springer der Geschichte. „Wir haben den positiven Umstand, dass sich die Verletzungen im Promillebereich bewegen. Aber es wird sich niemals ändern, dass man beim Skispringen bei hoher Geschwindigkeit dem Medium Luft ausgesetzt ist“, sagt Fis-Renndirektor Walter Hofer: „Deshalb haben wir seit dieser Saison auch die Chance eröffnet, einen Rückenprotektor zu tragen.“

Das Problem daran: Bis auf den Österreicher Andreas Kofler hat den von den Topspringern keiner in einem großen Wettkampf ausprobiert. Das hängt damit zusammen, dass die Flieger durch die Benutzung keinen aerodynamischen Vorteil haben. Kaum einer der mutigen Athleten möchte seine Chancen auf eine große Weite für mehr Gesundheitsschutz schmälern.

Protektor keine Pflicht

„Wenn man wirklich etwas in Sachen Sicherheit ändern will, sollte man den Protektor vorschreiben“, fordert Martin Schmitt. Dabei droht den Skispringern speziell bei schwierigen Bedingungen in der Luft oder im Landebereich jederzeit das Krankenhaus. So wie dem deutschen Shooting-Star Markus Eisenbichler vor gut zwei Jahren: Bei einem Sturz in Oberstdorf brach er sich drei Rückenwirbel an und hatte Glück, dass er nicht im Rollstuhl landete.

Skispringer leben mit diesem großen Berufsrisiko. „Da braucht man nicht drum herumzureden: Skispringen ist ein gefährlicher Sport“, sagt Eisenbichler. Oder wie es Andreas Wellinger, der auch schon schwer stürzte, sagt: „Was dich nicht tötet, härtet ab.“