Die Schmerzen kommen erst später
22.04.2007 | 13:56 Uhr 2007-04-22T13:56:56+0200Uefa-Cup - für die Bayern mehr als ein Betriebsunfall
Wie sehr wir uns an etwas gewöhnt haben, merken wir in der Regel erst, wenn wir es verlieren.Für die Bayern-Fans dürfte der Schmerz, den die schockierend klare 0:2-Niederlage in Stuttgart ausgelöst hat, seine Wirkung denn auch so richtig erst in der kommenden Saison entfalten, wenn sie - nach Lage der Dinge - bei der Europacup-Auslosung ihren Klub in einem Topf mit Mlada Boleslav, Zrinjski Mostar oder Dnipro Dnipropetrovsk entdecken werden, während sich die Fans von Bremen oder Schalke auf Chelsea, Milan oder Barcelona freuen.
Dass diese Aussicht als geradezu unglaublich empfunden wird, zeigt andererseits, was die Bayern über Jahre geleistet haben: Zehn Jahre Champions League in Folge - davon träumen sie auf Schalke oder in Stuttgart nicht einmal. Insofern ließe sich die sich abzeichnende schlechteste Bayern-Platzierung in der Bundesliga seit 12 Jahren locker als Betriebsunfall abtun, wie er halt auch bei den Allergrößten schon vorgekommen ist. Aber sagen Sie das mal den Bayern! Gemessen an ihrem Selbstverständnis und den Reaktionen aus München ist der Weltuntergang das kleinere Übel. Befeuert wird diese Sichtweise von Bayern-treuen Medien. Nachdem diese den Rekordmeister nach dem Sieg über Real Madrid schon wieder auf dem Weg zu alter Stärke sahen und Ottmar Hitzfeld wie einen Messias feierten, schlagen sie nun umso härter zu. Abteilung enttäuschte Liebe. Jetzt, da das Kind in den Brunnen gefallen ist, haben es alle kommen sehen. Und irgendwie geahnt, dass der Umbruch verpasst wurde und Uli Hoeneß nicht mehr den alten Biss hat.
Immerhin gab es am Wochenende aber auch unverhofften Trost für die Bayern-Anhänger. Enthüllte doch Schalkes Ex-Manager Rudi Assauer in seiner Talk-Sendung "Sach et Rudi" auf Premiere, dass er - und nicht Uli Hoeneß - vor 28 Jahren erste Wahl als Bayern-Manager war, jedoch seinen laufenden Vertrag in Bremen erfüllt habe.Es hätte also - so die Botschaft - alles viel schlimmer kommen können für Bayern.
r.schuessler@nrz.de

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