Die Schatten der Vergangenheit

Hagen..  So etwas prägt sich ein. So etwas lässt nie wieder los. Wer damals mit dem FC Schalke 04 zum Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 reiste, dem brannte sich die Schlagzeile des Stadionheftes an diesem heißen Samstagnachmittag tief ins Gedächtnis ein: „Der Abstiegskampf des Grauens.“ 28 Spieltage waren an jenem 14. April 2007 bereits absolviert in der Fußball-Bundesliga, 28 Mal hatten die Klubs die Möglichkeit, Punkte für den Verbleib in der Liga zu sammeln und sich entscheidend von der bedrohten Zone abzusetzen.

Doch dies gelang nur ziemlich wenigen.

Selbst den VfL Wolfsburg als Tabellensiebten trennten nur fünf magere Pünktchen vom 16. Arminia Bielefeld. Weil es damals keine Relegationsspiele gab, belegten die Ostwestfalen den ersten Abstiegsplatz. Der FSV Mainz 05 folgte als 17. punktgleich, wies aber eine erheblich schlechtere Tordifferenz auf. Trainer der Rheinhessen damals: Jürgen Klopp.

Das Beispiel Nürnberg

Der „Abstiegskampf des Grauens“ - er endete für Klopp und Mainz tragisch. Der Klub stieg neben Alemannia Aachen und Borussia Mönchengladbach ab. Ein Jahr später wechselte Jürgen Klopp zu Borussia Dortmund und trieb die Schwarz-Gelben von einem Erfolg zum nächsten.

Bis zur aktuellen Saison. Denn in dieser erlebt der Coach den „Abstiegskampf des Grauens II“. Allerdings befindet er sich mit dem BVB vor dem 29. Spieltag tabellarisch in einer besseren Ausgangslage als damals mit Mainz. Sechs Punkte beträgt der Vorsprung der Dortmunder an der Spitze der gefährdeten Tabellenregion auf den Tabellen-16. SC Paderborn. Und im nächsten Spiel wartet nicht wie damals mit dem FC Schalke 04 der Tabellenführer auf Klopp und Co., sondern eben der kleine Nachbarklub aus Ostwestfalen, der SCP.

Genau in dieser Konstellation liegt jedoch die große Gefahr. Verliert der BVB, wird die Abstiegsgefahr wieder äußerst akut. Sportdirektor Michael Zorc sagte deshalb nach der Pleite am vergangenen Spieltag in Mönchengladbach: „Wir müssen zusehen, dass wir jetzt Punkte holen, um uns von Paderborn abzusetzen.“

Nicht nur die Ostwestfalen wissen allerdings seit dem 2:1 gegen den FC Augsburg wieder, wie sich ein Sieg anfühlt. Auch der VfB Stuttgart tankte durch das 3:2 gegen Werder Bremen neues Selbstvertrauen. Einzig der Hamburger SV präsentiert sich derzeit derart desolat, dass der erste Abstieg des Gründungsmitglieds der Bundesliga nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint.

Die halbe Liga steckt sechs Spieltage vor Schluss im Abstiegskampf - das gab es zuletzt in der Saison 2011/2012. Sechs Punkte trennten 1899 Hoffenheim auf Platz zehn vom 1. FC Köln, der Rang 16 mit 28 Zählern inne hatte. Doch anders als 2007, als sich Bielefeld in den folgenden sechs Partien noch rettete und Aachen in den Abstiegssumpf rutschte, tauschten 2012 lediglich Hertha BSC und der 1. FC Köln die Plätze. Während die Berliner erst nach den Relegationsspielen gegen Fortuna Düsseldorf abstiegen, traf es Köln und Kaiserslautern direkt.

Wen es diesmal erwischt? Eine Vorhersage wäre selbst mit Blick auf das Restprogramm (siehe Kästen) so seriös wie ein Besuch bei einer Kirmes-Wahrsagerin. Zur Erinnerung: Der 1. FC Nürnberg ging 1999 auf Tabellenplatz 12 in den letzten Spieltag der Saison - stieg trotzdem ab und Radioreporter Günther Koch kommentierte einprägsam: „Hallo, hier ist Nürnberg - wir melden uns vom Abgrund.“