Die Qualifikation für die WM im Fokus
16.02.2010 | 08:00 Uhr 2010-02-16T08:00:00+0100Mülheim. Bei der heute beginnenden Team-Europameisterschaft für Damen- und für Herrennationalmannschaften in Warschau (16.-21.02.2010) geht es für die deutschen Badmintonasse nicht allein um eine Medaille.
Vielmehr geht es auch um die Qualifikation für die alle zwei Jahre stattfindende Endrunde um den Uber bzw. Thomas Cup, sprich die Weltmeisterschaft für jene Auswahlteams. Nur die jeweils drei Mannschaften, die in Polens Hauptstadt Edelmetall gewinnen, dürfen sich vom 09.-16.05.2010 in Malaysia mit den besten Teams der anderen Kontinentalverbände messen.
Deutschland konnte sich im Jahr 2002 zum ersten Mal in der Geschichte für ein Endrundenturnier qualifizieren (die Wettbewerbe um den Thomas bzw. den Uber Cup fanden bis Anfang der 1980er-Jahre nach einem anderen Modus, ohne Qualifikations- und Endrundenturnier, statt) – das dann allerdings gleich mit der Damen- und mit der Herrenmannschaft. 2004, 2006 und 2008 wiederholten die Auswahlen des Deutschen Badminton-Verbandes e. V. (DBV) diese Leistung jeweils. Aber nicht nur das: Deutschlands Damen gewannen sowohl bei der WM 2006 als auch zwei Jahre später die Bronzemedaille – ein phantastischer Erfolg!
2008 hatte sich die deutsche Damenmannschaft ebenso wie das Herrenteam bei der vorgeschalteten Qualifikation (Team-EM) den dritten Platz erkämpft und damit die Fahrkarte zur WM gesichert. „Bei den Herren ist die Chance, dass wir uns für die Endrunde qualifizieren, diesmal ähnlich hoch wie 2008 und 2006. Bei den Damen ist es natürlich durch den Wegfall von Huaiwen Xu deutlich schwieriger als in den vergangenen Jahren. Es wird für beide Mannschaften sehr eng werden, aber ich bin zuversichtlich“, sagt DBV-Sportdirektor Martin Kranitz. Voraussetzung für das Erreichen eines Podestplatzes in Warschau sei natürlich, dass jeder Einzelne seine bestmögliche Leistung zeige, und zudem alle Spielerinnen und Spieler gesund blieben.
„Unser Ziel ist es ganz klar, uns mit beiden Teams zu qualifizieren“, so Martin Kranitz. Huaiwen Xu, die unter anderem zweimal Europameisterin und zweimal WM-Dritte im Dameneinzel geworden war sowie 2006 und 2008 mit dem deutschen Damenteam jeweils WM-Bronze gewann, hatte ihre erfolgreiche Karriere im Sommer 2009 beendet.
Ausgetragen werden bei der Team-EM pro Begegnung jeweils drei Einzel und zwei Doppel. Die deutschen Damen treffen in der Vorrundengruppe D auf die Spielerinnen aus Schweden, Island und Spanien. Einige der Spanierinnen, die bei der EM für ihr Land antreten werden, waren Ende Januar anlässlich von zwei Freundschafts-Länderspielen in Deutschland zu Gast. In Augsburg und Kaiserslautern gingen die DBV-Asse aus beiden Damendoppeln sowie aus einem der beiden Einzel siegreich hervor. Deutschlands Nummer 1 im Dameneinzel, die Weltranglistenelfte Juliane Schenk (SG EBT Berlin), war an den Partien vor wenigen Wochen allerdings nicht beteiligt.
Die deutschen Damen treffen in ihrem ersten Vorrundenspiel auf Island (16.02.2010, 14.00 Uhr MEZ), einen Tag später sind die Spanierinnen Gegner (17.02.2010, 10.00 Uhr). Im abschließenden Gruppenspiel muss sich die DBV-Auswahl mit Schweden auseinandersetzen (18.02.2010, 14.00 Uhr). Nur die jeweils Gruppenersten erreichen das Viertelfinale, in welchem es im K.o.-System weitergeht. Jüngste Spielerin im deutschen Team ist Fabienne Deprez (FC Langenfeld): Die U19-Vizeeuropameisterin von 2009 im Mixed und zweifache Bronzemedaillengewinnerin bei den am vergangenen Wochenende ausgetragenen Deutschen Meisterschaften O19 wurde etwa eine Woche vor Beginn der Team-EM volljährig.
Deutschlands Herren treten - ebenfalls in der Vorrundengruppe D - gegen die Mannschaften aus Bulgarien, Schottland und Tschechien an, wobei die Partie gegen Bulgarien den Auftakt bildet (16.02.2010, 18.00 Uhr). In der zweiten Begegnung stehen die Deutschen den Spielern aus Schottland gegenüber (17.02.2010, 14.00 Uhr), letzter Kontrahent ist Island (18.02.2010, 18.00 Uhr). Das deutsche Herrenteam ist ebenso wie die Damenmannschaft altersmäßig sehr gemischt: Neben den jeweils 31 Jahre alten Routiniers Kristof Hopp (1. BC Bischmisheim) und Ingo Kindervater (1. BC Beuel) gehen auch drei Spieler an den Start, die erst 21 bzw. 23 Jahre alt sind. „Es ist wichtig, die jungen Athletinnen und Athleten möglichst schnell heranzuführen, da 2012 sicherlich einige der älteren ihre Karriere beenden werden“, erläutert DBV-Sportdirektor Martin Kranitz. Carla Nelte und Fabienne Deprez stehen in Warschau vor ihrem Länderspiel-Debüt im Seniorenbereich, Fabian Hammes feierte seine „Premiere“ in O19 erst Ende Januar, im ersten der beiden Freundschaftsvergleiche mit Spanien.
Sollten die deutschen Teams das Viertelfinale erreichen, so müssten sie sich darin voraussichtlich gleich mit „harten Brocken“ auseinandersetzen: Bei den Herren ist zu vermuten, dass Russland die Vorrundengruppe E gewinnt und damit Gegner der DBV-Auswahl wird, bei den Damen Bulgarien (Vorrundengruppe F) mit der Weltranglisten-15. Petya Nedelcheva. Titelverteidiger ist sowohl bei den Spielerinnen als auch bei den Spielern Dänemark.
Die Nominierten für Deutschland:
Damen:
• Juliane Schenk, SG EBT Berlin, 27 Jahre
• Karin Schnaase, SC Union Lüdinghausen, 25 Jahre
• Carola Bott, 1. BC Bischmisheim, 25 Jahre
• Fabienne Deprez, FC Langenfeld, 18 Jahre
• Birgit Overzier, 1. BC Beuel, 25 Jahre
• Sandra Marinello, 1. BC Düren, 26 Jahre
• Johanna Goliszewski, SG Anspach, 23 Jahre
• Carla Nelte, TV Refrath, 19 Jahre
Herren:
• Marc Zwiebler, 1. BC Beuel, 25 Jahre
• Dieter Domke, 1. BC Bischmisheim, 23 Jahre
• Marcel Reuter, 1. BC Bischmisheim, 27 Jahre
• Fabian Hammes, SV Fischbach, 21 Jahre
• Ingo Kindervater, 1. BC Beuel, 31 Jahre
• Michael Fuchs, 1. BC Bischmisheim, 27 Jahre
• Kristof Hopp, 1. BC Bischmisheim, 31 Jahre
• Johannes Schöttler, 1. BC Bischmisheim, 25 Jahre
• Peter Käsbauer, PTSV Rosenheim, 21 Jahre
• Oliver Roth, PTSV Rosenheim, 23 Jahre
Alle Ergebnisse sowie die Auslosungen und Zeitpläne sind unter www.tournamentsoftware.com (Stichwort „European Men's & Women's Team Championships 2010“) erhältlich.
Text: Dr. Claudia Pauli (Pressesprecherin Deutscher Badminton-Verband), Fotos: Holger Bräutigam

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