Die Pause ist gut für alle

Dass Louis van Gaal nicht dazu bereit ist, einen Konfliktherd elegant zu umkurven, das weiß man in Deutschland, seit der Niederländer Bayern München trainiert hat. Die Sitten und Gebräuche des hiesigen Fußballs stellte er, wenn die Erinnerung nicht trübt, allerdings nie generell in Frage. Und das unterscheidet sein kontinentales von seinem Insel-Engagement.

Nach dem Erfolg von Manchester United gegen Newcastle hat van Gaal kritisiert, dass man am zweiten Weihnachtstag spielen musste und Sonntag schon wieder. Viel zu viel sei das, stöhnte der ManU-Teammanager. Und da kann ihm nur beigepflichtet werden. Es muss nämlich auch die Zeit geben, in der der Fußball still und starr liegt, in der er nicht über die restlichen Sportarten hinwegrollt, sondern den Anderen zumindest die Chance gewährt, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

In Deutschland zum Beispiel gelingt das der Vierschanzentournee alle Winter wieder. Ende 2001, Anfang 2002 zum Beispiel: Sieg in Oberstdorf, in Garmisch-Partenkirchen, in Innsbruck. Und auf einmal loderte es tatsächlich auf, das Fernseh-Lagerfeuer, dieses ganz große Lagerfeuer, von dem nur gesprochen wird, wenn sich die Nation von keinem anderen Feuerchen mehr ablenken lässt. Sven Hannawald hat dann auch noch das Skispringen von Bischhofshofen gewonnen und sich ins Geschichtsbuch eingetragen: Sieger von allen Schanzen. . .

Das war natürlich ein Ausnahme-Winter. Doch: Hätte nicht sogar in diesem Winter das Lagerfeuer viel weniger intensiv gelodert, wenn die Bundesliga wie die Premier League weiter, immer weiter gemacht hätte? Die Antwort ist einfach. Alle gemeinsam hätten sich garantiert nicht gewärmt. Deshalb ist es gut, dass der Fußball hierzulande eine Pause einlegt. Die beschützt im Sinne van Gaals die dominierende Sportspezies davor, völlig ausgelaugt zu werden, und hilft gleichzeitig dabei, die Artenvielfalt zu bewahren. Damit wir uns wie damals an ihr erfreuen können – oder wie gestern Abend am Skisprung-Verschiebebahnhof von Oberstdorf über ihre seltsamen Eigenarten staunen.