Die große Angst vor Mercedes

Sepang..  Den Gleichstellungsparagraphen in der Formel 1, der Macho-Sportart schlechthin, zu bemühen – darauf muss man erst mal kommen. Vor allem, wenn der Grund dafür im eigenen Versagen liegt. Das illustriert nur, dass Red-Bull-Teamchef Christian Horner in der Krise steckt. Ziemlich tief, obwohl am Sonntag (9 Uhr MESZ/RTL) mit dem Großen Preis von Malaysia erst das zweite Rennen der Saison ansteht. Schuld daran, sagen sie im Team, sei der fehlende Antrieb. Nicht der im austro-britischen Rennstall, sondern der des vom französischen Partner Renault gelieferten Hybrid-Aggregates, dem angeblich 100 PS auf Mercedes fehlen sollen.

Krach mit Renault

Der Motorenhersteller, der im vierfachen WM-Erfolg mit Sebastian Vettel wenig Erwähnung fand, aber nun eine Breitseite nach der anderen abbekommt, wehrt sich. Adrian Newey, der so geniale wie umstrittene Rennwagenkonstrukteur, hatte Öl ins Feuer gegossen mit seiner Aussage, dass er das von Renault in Aussicht gestellte Licht am Ende des Tunnels nicht sehe. „Es ist hart, einen Partner zu haben, der lügt”, erwiderte Renault-Manager Cyril Abiteboul über das französische Magazin Auto Hebdo. „Adrian ist ein charmanter Gentleman und ein herausragender Ingenieur, aber er hat sein Leben damit verbracht, Motorenhersteller zu kritisieren – und er ist jetzt zu alt, sich zu ändern.” Vielmehr habe Red Bull Racing einige Probleme mit dem Chassis des Rennwagens, vor allem bei der Stabilität des Hecks, die alles andere als hilfreich in der derzeitigen Situation wären.

Die gegenseitigen Vorwürfe – Horner spricht offen sogar von einem Rückschritt beim Motor – sind das allerdings auch nicht. An der Rennstrecke beim Flughafen von Kuala Lumpur versuchen die Beteiligten den brüchigen Frieden zu kitten, aber es sieht eher danach aus, als ob man sich lieber heute als morgen voneinander abwenden möchte. Falls man eine Alternative zu der kriselnden Zweckehe findet.

Red Bull hatte bereits in Melbourne getönt, ganz auszusteigen, schafft aber zugleich hochmoderne Prüfstände an – um am Ende doch eigene Motoren zu bauen? Renault will der Königsklasse prinzipiell die Treue halten, schaut sich aber nach einem eigenen Werksrennstall um – der könnte ausgerechnet der Red-Bull-Talentschuppen Toro Rosso sein.

Denn das ist der Vorteil von Branchenführer Mercedes und Verfolger Ferrari – alles unter einem Dach zu machen, und das Auto auf den Motor (und umgekehrt) abzustimmen. „Ganzheitliche Strategie” nennt sich das bei den Silberpfeilen. Die scheint nach dem Doppelerfolg zum Saisonauftakt auch im Schwitzkasten von Malaysia wieder aufzugehen, beim Qualifying an diesem Samstag (10 Uhr/RTL) und im Rennen sind Lewis Hamilton und Nico Rosberg erneut die Favoriten.

Eskalation droht

Der in der Mercedes-Rennfabrik erarbeitete Technologievorsprung hatte Horner, flankiert vom eigenen Debakel mit dem sechsten Platz von Daniel Ricciardo und dem frühen Ausfall von Daniil Kvjat in Melbourne, so auf die Palme gebracht und nach einer Zwangsbremsung für Mercedes durch den Automobilweltverband Fia rufen lassen.

Eine Forderung, die ziemlich lächerlich war und bei den Konkurrenten nur Schadenfreude hervorrief. Horner, ein gewiefter Stratege, erkannte bald den Imageschaden durch die unsinnige Forderung. Plötzlich stand der angeblich so lockere Rennstall als schlechter Verlierer da, die Emanzipation per Reglement zog er mangels Aussicht eilig zurück. Öffentlich pflegt der Brite auch mit den Franzosen einen Kuschelkurs an diesem Wochenende.

Aber der Groll bleibt. Und die nächste Eskalation droht beim nächsten Misserfolg.