Die Gold-Überraschung

Falun..  Die deutschen Wachsspezialisten, Trainer und Teammitglieder hatten sich in einer Reihe vor dem Siegerpodest von Falun aufgestellt, um den deutschen Kombinierer-Weltmeister zu feiern. Auch Eric Frenzel stand in der Nähe des Treppchens und nahm bei der deutschen Nationalhymne seine rote Mütze ab. Dann klatschte er Beifall. Für seinen Teamkollegen Johannes Rydzek, der in Schweden überraschend statt des Olympiasiegers und zweimaligen Weltmeisters das oberste Siegerpodest erklommen hatte. Mit einer deutschen Fahne in der Hand und Tränen in den Augen.

Aus dem Schatten getreten

„Ich habe gedacht: Zwickt mich, ich träume gerade“, sagte Rydzek mit einem strahlenden Lächeln: „Das ist ein bewegender Moment. Und einfach unglaublich.“ Damit traf er die Stimmungslage im Zielraum. „Überraschend, oder?“, meinte selbst Bundestrainer Hermann Weinbuch. Denn an diesem Tag der nordischen Ski-WM hatte eigentlich alles danach ausgesehen, als würde der Favorit und Großereignis-Spezialist Eric Frenzel seinen Titel-Hattrick bei Weltmeisterschaften perfekt machen.

Als „Übermensch“ war er von Weinbuch bezeichnet worden, weil er bei den letzten beiden Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen von Sotschi jeweils ganz cool eine Goldmedaille gewonnen hatte. Und auch an diesem Freitag behielt er die Nerven. Mit 99 Metern flog er zur Bestweite. 21 Sekunden Vorsprung nahm er mit in den 10-Kilometer-Langlauf, doch statt des erwarteten einsamen Sturmlaufs lief alles ganz anders.

Schon nach 3,5 Kilometern wurde Frenzel von einer Verfolgergruppe eingeholt. Am letzten Anstieg liefen dann der Italiener Alessandro Pittin und der nach dem Springen noch fünftplatzierte Rydzek davon. Wie er es am Dienstag noch geübt hatte, überholte der 23 Jahre alte Oberstdorfer seinen Konkurrenten bei der Einfahrt ins Stadion, setzte so den „entscheidenden Punch“ (Weinbuch). Frenzel musste sich mit dem vierten Platz begnügen. Und war trotzdem nicht unglücklich: „Es macht es um einiges leichter, dass ein Teamkollege Weltmeister geworden ist.“

Mit dem Erfolg sprang Rydzek aus dem Schatten Frenzels. Bei der WM 2011 hatte er ihn schon einmal beim Sprint um die Silbermedaille geschlagen, fünf Weltcups gewonnen. Dennoch stand Frenzel, zuletzt Zweiter bei der Wahl zum Sportler des Jahres und von den anderen Athleten zum „Champion des Jahres“ gewählt, wegen seiner Erfolge immer im Mittelpunkt.

Jetzt geht es gemeinsam um Gold

Wie auch bei den Winterspielen vor einem Jahr, als er Gold gewonnen hatte. Johannes Rydzek war da noch als „Depp der Nation“ bezeichnet worden, weil er im Zielsprint um Gold mit dem Teamkollegen kollidiert war und alle Chancen eingebüßt hatte. „Vor einem Jahr stand Johannes noch ziemlich blöd da. Aber er hat aus seinen Fehlern gelernt“, sagte Weinbuch.

Zur Feier des Tages gab es nach dem Sieg frisch gegrillte Thüringer Bratwürste. Allzu lange ging es jedoch nicht, schließlich steht Sonntag der Teamwettbewerb an – dann wollen der Weltmeister und der geerdete „Übermensch“ gemeinsam eine historische Leistung vollbringen. Letztmals stand Deutschland 1987 bei der WM ganz oben.