Die Gespräche laufen

Ferndorf..  Die Handball-Welt des TuS Ferndorf ist zwar nicht ins Wanken geraten, aber sie steht auf unsicheren Beinen. Das ist nichts Neues. Einen Etat für die 2. Bundesliga zu stemmen, ist kein einfaches Unterfangen. Und aus diesem Grund zieht der designierte Drittliga-Meister derzeit mit der Sammelbüchse durchs Land.

„Wir haben mit unseren Sponsoren positive Gespräche geführt, auch von potenziellen neuen Geldgebern Zeichen erhalten. Aber Wasserstands-Meldungen werde ich nicht abgeben.“ Dirk Stenger, einer von zwei Geschäftsführern der Handball-GmbH des TuS, hat mit seinen Kollegen einen Etat für die zweite Bundesliga jenseits der 500 000 Euro ausgerechnet. Um sicher zu gehen, dass diese Zahlen für das zweite Abenteuer im Unterhaus des deutschen Profi-Handballs nach 2012 auch ausreicht, ist der TuS noch aktiv in Sachen Akquise von 75 000 Euro. Fakt ist: Bis zum 15. April muss der Verein die verbindliche Zusage für eine Liga-Zugehörigkeit abgeben, bis zum 30. April will die Handball-Bundesliga (HBL) die Lizenzierungs-Unterlagen auf dem Tisch haben.

Kooperation mit VfL

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist am Mittwochvormittag im Bergischen Land unternommen worden: Die Kooperations-Vereinbarung mit Bundesliga-Dino VfL Gummersbach ist unter Dach und Fach. Der VfL wird Spieler aus seinen Reihen, die den Sprung in das
Bundesliga-Team noch nicht geschafft haben, mit Zweitspielrecht für den TuS Ferndorf ausstatten.

Ein Hoffnungsschimmer am Horizont, denn der Aderlass, der sich durch die Abgänge der Breuer-Brüder Simon und David, Bennet Johnen, Niklas Weis, Heider Thomas und Moritz Barkow dokumentiert, muss schnellstmöglich gestoppt sowie durch Neue aufgefangen werden. Zwei Zugänge habe man, so Stenger, „unterschriftsreif“. Weitere sollen folgen.

Panik sieht also anders aus, auch wenn ein so großer personeller Umbruch nicht unbedingt im Sinne von Trainer Erik Wudtke ist. Der musste bereits vor der laufenden Spielzeit sieben Abgänge auffangen. 23 Siege in Folge und die bevorstehende Meisterschaft beweisen, wie gut ihm das gelungen ist.

Natürlich ist eine Team-Zu-



sammenstellung für die zweite Liga aber eine andere Hausnummer als die Vorbereitung einer Drittliga-Saison. Und das bringt den Trainer zu grundsätzlichen Systemproblemen, mit denen Aufsteiger ins Profilager zu kämpfen haben. „Alle Aufsteiger - Ausnahmen wie der SC DHfK Leipzig oder der HSC Coburg bestätigen die Regel - sind von vornherein Abstiegskandidaten. Deshalb wagen viele den Sprung erst gar nicht.“ In der Südstaffel haben Tabellenführer SG Leutershausen und Verfolger SC Nußloch bereits abgewunken. Auch der TuS Ferndorf erlebte dies. Nach der ersten Drittliga-Meisterschaft 2011 verzichtete er auf den Aufstieg, 2013 stieg er nach einem Jahr wieder ab. Wudtke: „Du wirst zu einer Fahrstuhl-Mannschaft.“

„Liga ist eine Pleiteliga“

Wie Wudtke und Stenger sehen auch Verantwortliche anderer Vereine das Problem in der Eingleisigkeit der 2. Bundesliga. Die wird in der kommenden Saison mit 21 Mannschaften - statt bisher mit 20 - bestückt sein. Am Ende müssen fünf Teams absteigen. „Eine Neu-Ausrichtung hin zu einer Nord- und einer Südstaffel wäre sinnvoll“, sähe es nicht nur Dirk Stenger lieber, wenn die HBL in dieser Hinsicht einen Gang zurückschalten würde.

In dieser Beschaffenheit ist die zweite Bundesliga also als echtes Abenteuer, das an den Grundfesten der Vereine rüttelt. Erik Wudtke wird noch deutlicher: „Diese Liga ist eine Pleiteliga“, sagt er. Der TuS Ferndorf will diese Risiken trotz allem eingehen.