Die Debatte um Silvia Neid wird hitzig

Frankfurt.  . Als Silvia Neid nach der WM-Rückkehr der DFB-Frauen in die Heimat von der Fürsprache durch Weltmeister-Coach Joachim Löw erfuhr, huschte ein Lächeln über ihr müdes Gesicht. Schon vor der wegen eines Maschinendefekts um drei Stunden verspäteten Landung des DFB-Trosses hatte sich Löw in der hitzigen Debatte um die Zukunft des deutschen Frauen-Fußballs eingemischt.

„Was in der Öffentlichkeit vom einen oder anderen Trainerkollegen gesagt wurde, ist einfach mieser Stil - vor allem die Art und Weise. Kritik unter Kollegen sollte man direkt mit den beteiligten Trainern besprechen“, polterte Löw. Neid nutzte diese Steilvorlage und erteilte der Forderung der Kritiker nach einer schnellen Aufarbeitung des unbefriedigenden WM-Abschneidens eine Absage. „Ich mache jetzt erst einmal Urlaub, den habe ich mir verdient. Mit der WM-Analyse lasse ich mir Zeit. Ich weiß ja, was wir verbessern müssen.“

Schon nach der 0:1-Pleite gegen England hatte Neid zurückgekeilt. Ihren Vorwurf, die Spielerinnen seien „in einem katastrophalen Zustand“ zur WM gekommen, ließen die Bundesligavertreter allerdings nicht auf sich sitzen.

„Der angebliche katastrophale körperliche Zustand trifft auf meine drei Spielerinnen nicht zu“, widersprach Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder der Bundestrainerin. Er warf Neid mangelnde Kritikfähigkeit vor. „Der unter Druck geratene Hund sitzt in der Ecke und fängt an zu bellen. Ich kann doch nicht einfach pauschal zurückschlagen“, meinte der 72-Jährige.

Auch Siegfried Dietrich, Manager des Champions-League-Siegers 1. FFC Frankfurt, reagierte verwundert. „Es ist ein bisschen irritierend, dass Silvia Neid den katastrophalen Zustand der Spielerinnen erst nach den zwei Niederlagen erwähnt hat. Zumal sie das Team zuvor nach den Spielen gegen Norwegen und Schweden noch für seine gute Verfassung gelobt hatte.“

Es gibt also erhöhten Redebedarf. Zumal Bundesligatrainer wie Frankfurts Colin Bell, Wolfsburgs Ralf Kellermann und Schröder bei der WM einige Defizite im deutschen Spiel ausgemacht hatten. „Die Bundesligatrainer können sich ja zusammensetzen“, sagte Neid zu diesem Thema patzig.

Immerhin relativierte sie ihre Kritik an der mangelnden Fitness der Spielerinnen dahingehend, dass dafür nicht die Vereine, sondern der Terminplan der FIFA und des WM-Ausrichters verantwortlich seien. „Man muss den Spielerinnen nach einer Liga-Saison mehr Zeit zur Erholung geben“, meinte sie. „Aber das liegt nicht in unserer Hand.“