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EM 2012

DFB-Team ist bei der EM 2012 unter Löw eine Drei-Klassen-Gesellschaft

18.06.2012 | 19:13 Uhr
Ein Gewinner, ein Verlierer: Lars Bender (links) durfte gegen Dänemark spielen, Benedikt Höwedes ist bislang nur Zuschauer.Foto: dapd

Danzig.   Die Einwechsel-Routine des Bundestrainers Joachim Löw bei der EM 2012 degradiert einige Spieler bislang zu reinen Touristen, beispielsweise den Schalker Höwedes oder die BVB-Kicker Götze und Gündogan. Aber auch sie dürfen auf Personal-Überraschungen hoffen.

Joachim Löw freut sich, dass er diese Geschichte so erzählen kann, weil er weiß, dass sie etwas über den jungen Mann aussagt, über den er im Bauch der Lemberger Fußball-Arena redet. Der Bundestrainer beschreibt, wie er vor dem 2:1-Sieg gegen Dänemark seinem Spieler Lars Bender eröffnet, dass er spielen wird. „Ich freue mich“, sei die Antwort gewesen. So berichtet es Löw und so wird es sich abgespielt haben. Es ist eine Erzählung, die untermauern soll, was Löw später noch einmal explizit behauptet: „Er hat keine Angst und keinen überzogenen Respekt vor dem Gegner.“

Das ist ein wirklich schönes Lob für den 23-Jährigen von Bayer Leverkusen, der als Ersatz für Jerome Boateng auf der rechten Abwehrseite ran musste. Gleichzeitig ist es ein Misstrauensvotum des Bundestrainers im Hinblick auf das Leistungsvermögen manch eines anderen Spielers. Es ist eine Entscheidung, die manchen in Löws Dreiklassengesellschaft schon nach der Vorrunde zum EM-Touristen mit besten Sitzplatzkarten etikettiert.

Höwedes wird zum EM-Touristen

Zum Beispiel Benedikt Höwedes. Dass der Bundestrainer dem Mittelfeldspieler Bender als Ortsfremdem eher zutraute, den Überblick auf der rechten Abwehrseite zu behalten, als einem wie ihm, sagt alles. Höwedes kennt sich an der Außenlinie aus, weil er dort auch bei seinem Klub FC Schalke 04 in der Bundesliga unterwegs ist. Aber Höwedes fand sich nicht nur nicht in der Startelf wieder, sondern war sogar in den öffentlichen Überlegungen von Löw im Vorfeld des Spiels nicht einmal eine Erwähnung wert. Lieber ließ der Bundestrainer als Lösung für das Boateng-Problem die Reaktivierung einer als gescheitert geltenden Dreierkette in der Abwehr diskutieren.

Einzelkritik
Bender beim DFB-Team vom Schwachpunkt zum Matchwinner

Lars Bender musste den gesperrten Jerome Boateng auf der rechten Abwehrseite ersetzen und spielte diese Position bis auf 16 Minuten zum ersten Mal....

Nur unwesentlich besser ist die Lage von Marcel Schmelzer. Auch der Dortmunder ist Außenverteidiger. Seine Hereinnahme auf der linken Seite – bei einem Seitenwechsel von Philipp Lahm – schien dem Bundestrainer ebenfalls eine zu wacklige Lösung zu sein. Zu präsent ist Löw noch das Testspiel gegen die Schweiz, als Höwedes und Schmelzer ihren Teil dazu beitrugen, dass die deutsche Mannschaft fünf Gegentore kassierte.

Keine Verwendung für Mertesacker, Götze und Reus

Überhaupt scheint dieses Spiel von Basel eine schwere Hypothek zu für den einen oder anderen zu sein. Der lange verletzte Per Mertesacker dilettierte sich damals mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Mannschaft. Mario Götze durfte sich im zentralen Mittelfeld versuchen, seine Leistung war nach langer Verletzungszeit so überschaubar, dass für ihn jetzt nicht einmal während eines offensiv schwerfälligen Spiels ein Plätzchen frei wird.

Video
Lwiw/Berlin, 18.06.12: Mit einem 2:1-Sieg gegen starke Dänen ist die deutsche Elf als souveräner Gruppensieger ins Viertelfinale der EM eingezogen. Dort trifft die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw am Freitag auf das Team aus Griechenland.

Marco Reus war gegen die Schweiz als Einwechselspieler einer der wenigen, der gut spielte. Er könne eine gute Rolle bei diesem Turnier spielen, ließ Löw durchblicken. Doch auch für den überragenden Spieler der letzten Saison findet der Bundestrainer bislang keine Verwendung. Wenn Bedarf an neuem Esprit besteht, dann kommen die Jungs aus der zweiten Klasse: Toni Kroos, der in der Abwesenheit von Bastian Schweinsteiger zu überzeugen wusste und seine Wut über die Reservistenrolle erst kürzlich offen kund tat. Oder Miroslav Klose, der Stürmer der vergangenen Jahre, der nun nur noch sporadisch mittun darf. Oder Andre Schürrle.

Löw wusste zu überaschen

Joachim Löw hat ein feines Gespür dafür entwickelt, wem er wann vertrauen kann. Lars Bender hat davon profitiert und das Siegtor gegen Dänemark geschossen. Löws alte Haudegen Mertesacker und Klose sind bis hierhin die großen Verlierer. Sie ertragen ihr Schicksal mit schweigendem Grimmen. Die Nullminuten-Jungs um Götze, Gündogan und Reus lobt der Bundestrainer gern öffentlich. Er wird ihnen erzählen, dass ihnen eher die Zukunft als die Gegenwart gehören wird.

Löws Einwechslungs-Routine zeigt, wem er derzeit vertraut. Einerseits. Andererseits hat der Bundestrainer nach den Entscheidungen für Mats Hummels und Mario Gomez mit der Personalie Bender erneut zu überraschen gewusst. Das dürfte selbst bei so manchem derzeitigen EM-Touristen die zaghafte Hoffnung wecken, dass auch sein Moment in diesem Turnier noch kommen möge.

 

Deutschlands Zittersieg

Daniel Berg

Kommentare
20.06.2012
10:36
DFB-Team ist bei der EM 2012 unter Löw eine Drei-Klassen-Gesellschaft
von Loelituete | #27

...und unsere Bauernliebhaber sind die wahren Experten. 2006 Halbfinale 2008 Finale 2010 Halbfinale und 2012 CL Finale. Entscheidende Spiele wurden...
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2012-06-18 19:13
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