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DFB-Glücksjäger können sich bei Arnautovic bedanken

12.09.2012 | 19:09 Uhr
Marko Arnautovic vergab in der Schlussminute eine Riesenchance.Foto: imago

Wien.  Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gewann das WM-Qualifikationsspiel in Österreich mit 2:1 - aber nur, weil Marko Arnautovic kurz vor Schluss eine Riesenchance versäbelte. „Die haben nur mit Glück gewonnen“, sagte Arnautovic nach dem Spiel.

Wenn Marcel Koller in den Tagen vor dem „Spiel des Jahres“ dem Kollegen aufmerksamer gelauscht hätte, wäre ihm das richtig gute alte Wort sicher eingefallen. Warum hat seine Mannschaft nach einer außerordentlich starken Leistung die Deutschen am Ende nicht einmal zu einem Remis bewegen können? Koller, Österreichs aus der Schweiz importierter Trainer mit Bundesliga-Vergangenheit, erklärte es damit, dass „mehr Gelassenheit, mehr Ruhe vor dem Tor“ auf dem Weg zum Erfolg gefehlt hätten. Joachim Löw hätte gesagt: Kaltschnäuzigkeit, es mangelte an Kaltschnäuzigkeit.

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Es gibt sie eben noch, die richtig guten alten Worte. Man muss sie nur wieder finden. In diesem Sinne hat sich der Bundestrainer nach dem 3:0 im ersten WM-Qualifikationsspiel um die Fußballsprachpflege verdient gemacht. In der Partie gegen die Färöer nämlich versäbelte seine Combo so viele Chancen, dass unbedingt eine Begründung dafür ausgegraben werden musste: warum, warum nur? Antwort: Mangel an Kaltschnäuzigkeit. Beim 2:1-Sieg gegen Österreich in Wien dagegen genügte Deutschlands Liebsten ein zielstrebiger, also kaltschnäuziger Auftritt von Marco Reus zum 1:0. Und danach wurde Thomas Müller so couragiert im Strafraum geschubst, dass Mesut Özil den fälligen Elfmeter locker, also kaltschnäuzig zum 2:0 verwandeln konnte.

Glück oder Entwicklung

Kann man Kaltschnäuzigkeit, kann man die Eiseskälte vor dem Tor innerhalb von dreieinhalb Tagen erlernen? Ist die Nationalmannschaft einen Entwicklungsschritt weiter gekommen? Oder ist doch nur einfach das Glück ein ganz gemeiner Hund?

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Als der Bundestrainer in Minute 75 Lukas Podolski für Miroslav Klose einwechselte, war der Stand der Dinge: 1:2. Österreich hatte mit Leidenschaft und verurteilenswerter Beihilfe der Dortmunder Marcel Schmelzer, Mario Götze und Mats Hummels den Anschlusstreffer durch Zlatko Junuzovic erzwungen. Und das Signal, das Löw mit dem Tausch des mitspielenden Mittelstürmers gegen den Konterstürmer aussendete, war eindeutig. Es ging darum, dem Dauerdruck des Gastgebers zu widerstehen.

Von Dominanz und Kontrolle weit entfernt

Es gelang, und der Bundestrainer kommentierte das mit kalter Zufriedenheit. Gewonnen. Auswärts! Sechs Punkte auf dem Konto. Fazit: „Das ist für mich erfreulich.“ Löw kritisierte allerdings, man hätte nach dem 2:0 „das Spiel kontrollieren, dominieren müssen“. Von Kontrolle und Dominanz war seine Mannschaft jedoch weit entfernt. Sie überstand die Begegnung unbeschadet, weil sie über „die Weltklasse“ verfügt, „die Fehler des Gegners auszunutzen“ (Koller) – oder auch weil eben das Glück ein ganz gemeiner Hund ist.

Kommentar
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In Minute 87 gelang es Marko Arnautovic, einen Ball aus nächster Nähe vom Netz fernzuhalten. Warum, warum nur? Arnautovic meinte: „Die haben nur mit Glück gewonnen.“ Hummels meinte: „Wir haben Riesenglück gehabt.“ Müller meinte, man habe tolle Arbeit abgeliefert statt Kunst und deshalb die Lohntüte erhalten. Irgendwo dazwischen wird sie herumliegen, die Wahrheit.

Weil jeder Auftritt des Nationalensembles aber so erkenntnisträchtig zu sein hat wie eine Inszenierung am Wiener Burgtheater, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass jede Menge Fehler produziert wurden. Beteiligt waren daran alle. Besonders auffällig wurde Hummels. Anders als Innenverteidiger Holger Badstuber hatte der Dortmunder immer wieder versucht, sich nach vorn einzuschalten. Das kann hinten für Konzentrationsverlust sorgen.

Nationalelf gewinnt 2:1

Ausgelotet werden muss darüber hinaus, ob die Ziele, die Löw vorgegeben hatte, erreicht wurden. Konnte der Kontrahent mit Pressing daran gehindert werden, sich zu entfalten? Löw betonte, man habe Pressing lediglich phasenweise spielen wollen, um „Österreich auch einmal in der Vorwärtsbewegung zu erwischen“. Außerdem reiche „so eine Woche“ Beisammensein „nicht, um Pressing zu beherrschen“.

Kollers Mannen beherrschten es ziemlich gut. Hat ihnen aber auch nicht geholfen gegen die Glücksjäger von Niveau.

Frank Lamers

Kommentare
13.09.2012
09:23
DFB-Glücksjäger können sich bei Arnautovic bedanken
von buntspecht2 | #1

Da die Nationalspieler in ihren Vereinen verschiedene Systeme spielen klappt die von Löw bevorzugte Spielweise nicht

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DFB-Glücksjäger können sich bei Arnautovic bedanken
DFB-Glücksjäger können sich bei Arnautovic bedanken
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http://www.derwesten.de/sport/dfb-gluecksjaeger-koennen-sich-bei-arnautovic-bedanken-id7090682.html
2012-09-12 19:09
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