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Deutschland sieht sich auf Augenhöhe mit "Orkanje"

29.08.2009 | 10:16 Uhr
Deutschland sieht sich auf Augenhöhe mit "Orkanje"

Amsterdam. Vor dem EM-Finale gegen "granatenstarke" Niederländerinnen sehen sich Deutschlands Hockey-Frauen auf Augenhöhe. Hoffnung macht dem Außenseiter das "DHB-Trauma" des Topfavoriten.

Am Tag vor dem EM-Finale am Samstag tat sich Seltsames im Wagener Stadion vor den Toren Amsterdams: Die Hockeyfrauen von Weltmeister, Olympiasieger, Rekord-Europameister und Topfavorit Niederlande trainierten Siebenmeter-Schießen. Deutlicher konnten die Holländer ihren Respekt vor Endspielgegner Deutschland gar nicht demonstrieren.

Das Team von Trainer Herman Kruis ist mit einer unglaublichen Souveränität ins Endspiel (15.30 Uhr) marschiert. Niemand hielt bislang dem orangenen Wirbelsturm stand. Deutschland dagegen mühte sich und krampfte sich ins Finale. Wenig wirkte wirklich gut eingespielt und dominant. Und dennoch: Die Erinnerung an das Finale vor zwei Jahren in Manchester ist immer noch allgegenwärtig, als Deutschland den Rivalen mit 2:0 entthronte.

Gute Erinnerungen an die Niederlande

"Auch damals waren die Niederländerinnen haushoher Favorit und granatenstark", erinnert sich der deutsche Bundestrainer Michael Behrmann. Auch das Trauma aus dem Olympiafinale 2004 mit der Niederlage gegen Deutschland wirkt bei den Oranjes noch ein wenig nach. "Wir wissen, dass wir hier die einzige Mannschaft sind, die dagegenhalten können", verkündet deshalb Maike Stöckel voller Selbstvertrauen.

Die 25-Jährige, die in der niederländischen Liga in Den Haag spielt, war im Halbfinalthriller am Donnerstag gegen England die entscheidende Spielerin beim 2:1 (1:1, 1:1)-Erfolg durch Golden Goal.

Sie bereitete den Führungstreffer durch Natascha Keller (27.) vor, verpasste drei Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit freistehend noch die mögliche Entscheidung, traf dann aber in der sechsten Minute der Verlängerung. "Als ich die klare Chance vor Spielende vergeben habe, dachte ich, das kann nicht wahr sein", erzählte die Angreiferin, "um so erlösender war es, das Golden Goal zu schießen."

Deutschland erstmals Außenseiter im Turnier

Erstmals in diesem EM-Turnier gehen die deutschen Frauen als Außenseiter in ein Spiel. Alle wichtigen Ziele sind schon erreicht: Die Qualifikation für die WM im September 2010 im argentinischen Rosario war bereits mit dem Halbfinaleinzug geschafft und mit dem Einzug ins Endspiel haben sie die Zielvereinbarung gegenüber dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eingelöst, wichtig für optimale finanzielle Unterstützung. Jetzt folgt nur noch die emotionale Zugabe.

"Wir spielen vor voller Hütte, das ist ein Riesenereignis für uns", blickt Stöckel voraus, "wenn wir im Finale in Führung gehen können, wird es eine ganz enge Kiste." Coach Behrmann tüftelte am Freitag im ruhig gelegenen deutschen Teamhotel an der Nordseeküste taktische Überraschungen aus: "Wenn man Standard spielt, wird man zerschossen." Seine Spielerinnen hatten derweil frei, kein Training. "Sie sollten die Freude genießen", sagte Behrmann. Den Druck haben die anderen, und die übten Siebenmeter.

DerWesten

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