Deutsche Rodler dominieren WM in Lettland

Die beste Rodlerin der Welt: Natalie Geisenberger.
Die beste Rodlerin der Welt: Natalie Geisenberger.
Foto: dpa
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Dreimal Gold, dazu je eine Silber- und Bronzeplakette: Die deutschen Rodler haben bei der WM einmal mehr ihre Spitzenklasse unter Beweis gestellt. Einzig Olympiasieger Loch musste sich im Einsitzer-Rennen geschlagen geben. Grund zur Party hatte er später aber dennoch.

Sigulda.. Ganz am Schluss ging Felix Loch in die Knie, ballte die Fäuste und gab bei der Zieldurchfahrt seiner rasenden Kumpels in der Staffel einen gewaltigen Jubelschrei von sich. Nach dem knapp verpassten Titel im Einsitzer bekam der Olympiasieger bei der WM in Lettland doch noch seinen goldenen Moment - und das deutsche Team eine Medaillenausbeute, die sich sehen lassen kann: Dreimal Gold, einmal Silber, einmal Bronze sprangen in Sigulda heraus. "Es müssen nicht immer Titel sein", resümierte Bundestrainer Norbert Loch, wegen einer verlorenen Wette ungewohnt schick mit Anzug und Krawatte.

Bevor sich Felix Loch, Natalie Geisenberger und Tobias Wendl/Tobias Arlt am Sonntag mit schwarz-rot-goldener Schminke auf den Wangen für ihren Staffelerfolg feiern lassen durften, hieß es im Einzel zittern. Loch bangte als Führender, seine Weltmeister-Kollegen fieberten Arm in Arm daneben vor dem Bildschirm - am Ende reichte es knapp nicht. Mit der Silbermedaille konnte Loch dennoch strahlen. "Ich bin rundum zufrieden", erklärte der vom Russen Semen Pawlitschenko entthronte Champion. Dann unterbrach der Berchtesgadener die Interview-Runde, schnappte sich seine Freundin Lisa und gab ihr einen langen Kuss.

Loch rast knapp an Gold vorbei

Im Gegensatz zu Geisenberger und den Doppelsitzern Wendl/Arlt wurde Loch seiner Favoritenrolle auf der schwierigen Bahn von Sigulda nicht gerecht und konnte den WM-Titel von 2013 nicht verteidigen. Ganz ohne Gold kehrte er aber nicht zurück nach Deutschland: Zum Abschluss fuhr er mit der Staffel vor Russland und Kanada zum Mannschaftstitel.

Rodel-WM "Es hat einfach nicht ganz gepasst", sagte Loch, als er an seinen fünften Einzel-Titel knapp vorbeifuhr. Er wäre der erste Rodler überhaupt gewesen, der dreimal in Serie Gold bei den Männern holt. Als Nobody Pawlitschenko für Augenblicke im Eiskanal langsamer war, keimte nur kurz Hoffnung auf. Am Ende konnte dann aber doch Albert Demtschenko - Olympia-Zweiter von Sotschi und inzwischen Trainer bei den Russen - wie ein Derwisch laut brüllend durch den Zielbereich stürmen.

Revanche in zwölf Monaten bei Heim-WM

"Semen war heute einfach besser, er ist gewaltig gefahren", räumte Loch ein. Die Russen haben auf der Bahn in Lettland einen kleinen Trainingsvorteil, wusste auch der Berchtesgadener, der Wolfgang Kindl aus Österreich auf Platz drei verwies. In zwölf Monaten steht die Revanche an, nämlich bei der Heim-WM. "Nächstes Jahr am Königssee sind dann wir am Zug", kündigte Loch an. Sein Vater Norbert spendete Trost: "Ich bin unterm Strich sehr zufrieden mit ihm."

Der Coach hatte sich für den finalen Lauf in Anzug, Hemd und Krawatte gezwungen. "Natalie und die Mädels haben gesagt: 'Warum ziehst du dich nicht mal an wie all die Fußball-Trainer?'", erzählte er schmunzelnd.

Biathlon Einen Tag zuvor war er verblüfft gewesen, als Geisenberger die Konkurrenz deklassierte. "Wie man so cool sein und so abgebrüht fahren kann - da kann ich nur den Hut ziehen", betonte Loch. Die Olympiasiegerin setzte sich vor Tatjana Iwanowa und Teamkollegin Tatjana Hüfner durch und verteidigte ihren Titel von 2013. "Es ist schön, dass ich zeigen konnte, dass das damals keine Eintagesfliege war", sagte sie. Im ewigen WM-Ranking kletterte die 27-Jährige mit nun zwei Goldmedaillen, vier Silbermedaillen und einer Bronzeplakette auf den fünften Platz - Spitzenreiterin bleibt Hüfner (4-1-1).

Weltcup-Gesamtführende Eggert und Benecken frustriert

Auch die Doppelsitzer Wendl/Arlt waren ihrer Favoritenrolle gerecht geworden. Sie ließen Peter Penz/Georg Fischler aus Österreich sowie die Südtiroler Christian Oberstolz/Patrick Gruber hinter sich. "Es ist einfach sensationell", sagte Arlt. "Wir haben uns im Weltcup immer weiter gesteigert, und das ist die Belohnung", meinte Wendl, der seit Tagen von einer schmerzhaften Nackenblessur geplagt wurde und auch im Ziel von Sigulda den Kopf kaum drehen konnte. "Im vorletzten Training dachte ich noch, es geht gar nicht", sagte er.

Nur noch frustriert waren die Weltcup-Gesamtführenden Toni Eggert und Sascha Benecken. "Wir hatten den schnellsten Schlitten im Feld und haben es verschenkt. Wenn man die ganze Saison nie schlechter als Zweiter ist, und dann Vierter wird, ist das schon sehr schmerzhaft", sagte Benecken an seinem 25. Geburtstag. (dpa)