Derby mit Biss

Madrid..  Mario Mandzukic war auch nach Spielschluss kaum zu beruhigen. Die Platzwunde über dem linken Auge des früheren Bayern-Torjägers zeigte, wie hitzig und mitunter überhart es zwischen den Madrider Rivalen Atlético und Real beim 0:0 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League zuging. Gleich in mehreren Szenen hatte es Mandzukic in Zweikämpfen mit den Real-Verteidigern heftig abbekommen.

Ein Ellenbogenschlag

Mit einer stark blutenden Platzwunde musste der Kroate nach einem Ellbogenschlag von Sergio Ramos behandelt werden. Der serbische Schiedsrichter Milorad Mazic wertete die Szene nicht als absichtliches Foul, was vielleicht noch vertretbar war. Anders dagegen die Szene, als Dani Carvajal mit einer vermeintlichen Beißattacke und einem klaren Faustschlag im Brustbereich gegen Mandzukic vorging. Carvajal kam ohne Platzverweis davon.

Real-Mittelfeldstar Toni Kroos, der in der vergangenen Saison noch zusammen mit Mandzukic beim FC Bayern München gespielt hatte, gab sich hinterher diplomatisch: „Mandzukic ist auch kein Kind von Traurigkeit. Beide haben die Gelbe Karte gesehen. Dabei sollte man es belassen.“

Das sieht die Europäische Fußball-Union (Uefa) womöglich anders. Die Carvajal-Aktion fand im Rücken des Schiedsrichters statt. Real-Coach Carlo Ancelotti versuchte zwar die diskussionswürdigen Szenen herunterzuspielen. „Das kommt auf dem Platz vor. In solchen Spielen gibt es Kontakte unter den Spielern“, sagte der Italiener. Und der ehemalige Leverkusener Carvajal hat zumindest bestritten, Mandzukic gebissen zu haben. „Da ich nach dem Spiel sehe, dass ich beschuldigt werde, einen Gegenspieler gebissen zu haben, will ich klarstellen, dass ich niemanden gebissen habe, es gab auch keinen Versuch“, twitterte der 23-Jährige in der Nacht zum Mittwoch. Spanische Medien meinen allerdings, es sehe so aus, als ob Carvajal Kontrahent Mandzukic in der 61. Minute in den rechten Unterarm gebissen habe.

Beißen vielleicht, Faustschlag sicher

Klar zu erkennen ist bei den TV-Bildern, wie der Verteidiger seinen Gegenspieler im Real-Strafraum mit der Faust vor die Brust schlägt und Mandzukic zu Boden fällt. Schiedsrichter Milorad Mazic pfiff aber nicht.

Bei Real Madrid fürchtet man nun, dass Europas Fußball-Union anhand der TV-Bilder eine Ermittlung einleiten könne, schrieb die Sportzeitung „As“. „Ich kann die Szene nicht einschätzen, aber wenn die Uefa etwas sieht, muss sie handeln“, meinte Atlético-Kapitän Gabi, während sich Mandzukic zu dem Vorfall nicht mehr äußerte. Zur Erinnerung: Wegen seiner Beißattacke gegen den Italiener Giorgio Chiellini bei der WM in Brasilien war der Uruguayer Luis Suárez 2014 für neun Spiele und vier Monate gesperrt worden.

Fußball wurde auch gespielt in dem von Emotionen durchgeschüttelten 272. „Derbi madrileno“. Dabei war der Titelverteidiger, der im Finale 2014 Atlético erst in der Verlängerung mit 4:1 niedergerungen hatte, in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft. Doch Gareth Bale (4. und 32.) und James Rodriguez (36. und 43.) vergaben beste Chancen.

Das achte Treffen der Saison

In einer Woche, am 22. April, sehen sich die Rivalen nun wieder – zum bereits achten Mal in dieser Saison. In den bisherigen sieben Spielen ist Atlético noch ungeschlagen (4 Siege, 3 Unentschieden). „Wir wollen das Spiel gewinnen, dann ist die Auswärtstor-Regel egal“, kündigte Kroos an.