Der Winzling begrüßt die Stars

Paderborn/Hagen..  Als der Schauplatz gebaut wurde, waren die Gäste noch weniger prominent. Das kleine schnuckelige Stadion des SC Paderborn wurde 2008 in Betrieb genommen, Mannschaften wie die Kickers Emden kamen damals im Drittliga-Alltag vorbei und - Achtung: Untertreibung - nicht die allermeisten Menschen wollten sich das live im Stadion ansehen.

Von damals aus betrachtet liegt der heutige Samstag in schier unerreichbarer Ferne. Aber es stimmt: Bayern München mit seiner Ansammlung von Stars tritt in Paderborn zu einem Spiel der Fußball-Bundesliga an. Der bewunderte spanische Welt-Star Xabi Alonso wird sich in der Kabine umziehen neben den anderen unzähligen Könnern und Weltmeistern, der größte Trainer moderner Prägung, Pep Guardiola, an der Seitenlinie stehen. Es ist das erste Heimspiel des SCP gegen München, um 15.30 Uhr wird somit ein weiteres kleines Stückchen ostwestfälischer Fußball-Geschichte geschrieben.

Michael Born neigt nicht gerade zu Überschwang. Der Siegerländer betrachtet die Dinge nüchtern, nicht von damals aus. Was in dieser Woche vor dem großen Spiel anders ist als in anderen? Der Sportliche Leiter des finanziell und sportlich eigentlich vollkommen chancenlosen Aufsteigers überlegt kurz. Dann lacht er: „Die Größe meines Freundeskreises.“

Jeder, der den Manager des SCP kennt, fragte nach, ob es nicht noch irgendwo ein Kärtchen gäbe. Aber auch Borns Einfluss ist begrenzt: ausverkauft. Seit Wochen. Fünf oder sechs Mal hätten sie das Stadion vollgekriegt, sagt er. Dortmund war schon da, Schalke auch, „aber Bayern“, sagt Born, „Bayern ist noch mal größer. Vor so einem Spiel fühlt sich die Bundesliga noch intensiver an.“

15 000 Zuschauer werden nun dabei sein können. Niemand will sich das Duell mit München entgehen lassen, es könnte schließlich auch das letzte sein für die kommenden 50 oder 100 Jahre. Vielleicht für immer. Winzlinge wie Paderborn steigen nicht oft auf und vielleicht nach der ersten Saison in der Premiumklasse schnell wieder ab. Aber noch wehrt sich das kleine ostwestfälische Dorf.

Zum Hinspiel im September reiste die Mannschaft von Andre Breitenreiter noch als Tabellenführer, mittlerweile ist der Klub auf Platz zwölf zwischengelandet. Nach zehn sieglosen Spielen gelang ihr am vergangenen Wochenende endlich wieder ein Sieg, 2:1 in Hannover. „Das war so etwas wie ein Befreiungsschlag. Er hat der Mannschaft den Glauben an die eigene Stärke zurückgebracht“, sagt Born. Aber jetzt kommt das Mega-Millionen-München. „Von zehn Spielen würden wir sicher neun verlieren, aber was uns Zuversicht gibt, ist die ­Gewissheit, dass es zu Beginn 0:0 stehen wird und dass es anderen Mannschaften auch schon gelungen ist, etwas gegen München mitzunehmen.“

Und Paderborn hat ja jemanden an entscheidender Stelle, der weiß, wie man gegen den bajuwarischen Riesen erfolgreich ist: Andre Breitenreiter. Der Trainer selbst erzählt, dass er früher als „Bayern-Killer“ galt. Der etwas martialische Branchenname gründet auf seiner aktiven Karriere, in der er zwei seiner 28 Treffer gegen München erzielte und eben jenen Gegner mit dem Hamburger SV und - noch erstaunlicher - der SpVg Unterhaching schlug.

Mitgliederzahlen explodiert

Michael Born, der Manager, ist einen Tag vor dem Spiel gedanklich schon über das München-Spiel hinaus. Er bereitet die Jahreshauptversammlung am Sonntag vor. Es ist die erste als Bundesligist. Die erste, seitdem die Zahl der Mitglieder nach dem Aufstieg explodierte: von knapp 2000 auf mehr als 10 000. Wie viele von ihnen erscheinen werden, weiß keiner so recht. Aber sicher ist, dass es helfen würde, wenn eine verheerende Niederlage am Samstag vermieden werden könnte.

„So etwas kann man gegen die Bayern nie ausschließen“, sagt Born, „aber ich bin mir sicher, dass wir ein sehr gutes Spiel machen, und dass sich das auch im Ergebnis ausdrücken wird.“ Ein selbstbewusster Satz. Von damals aus betrachtet erstaunlich selbstbewusst.