Der Weg ist frei

Die Botschaft ist fast schon eine Unglaublichkeit: Joseph S. Blatter, der Präsident des Fußball-Weltverbandes, tritt zurück.

Die Nachricht ist so unglaublich, weil der mächtige Schweizer in den vergangenen Jahren jeden noch so erschütternden Skandal einfach ausgesessen hatte. Und eigentlich hatte es danach ausgesehen, dass es wieder so kommen würde. Trotz der Ermittlungen der US-Behörden ließ sich Blatter am Freitag in eine neue Amtszeit wählen. Sie dauerte nur vier Tage.

Das wirft Fragen auf. Vor allem die eine: Warum jetzt?

Die naheliegendste Antwort: Die Einschläge kommen näher. Und nie waren sie so heftig.

Blatter geht in einem Augenblick, in dem kein Staatsanwalt gegen ihn ermittelt, in dem nicht schon um die nächste Ecke die Handschellen klappern.

Aber was, wenn dieser Zeitpunkt nicht mehr weit entfernt ist? Und wenn Blatter das ahnt?

Die Beweislage um den allmächtigen Fußball-Boss herum wird immer erdrückender. Blatters Vertraute werden verhaftet. Es gibt Schriftstücke, es gibt Beweise, dass die Fifa in weiten Teilen genau das ist, was die Öffentlichkeit seit Jahren vermuten musste: eine Organisation, in der eine Kultur der Korruption herrscht.

Blatter, der gewiefte Stratege, ist der Kopf dieser Organisation.

Für den Moment wahrt der Mann mit seinem überraschenden Abgang sein Gesicht. Aber die nächsten Tage und Wochen könnten noch unangenehmer für ihn werden als sie ohnehin schon sind.

Er verschwindet aus dem öffentlichen Fadenkreuz und kann behaupten, den Weg frei gemacht zu haben. Das ist zweifelsohne die gute Nachricht. Die schlechte lautet: Es hat viel zu lange gedauert.

Blatters Schritt kann nur der erste gewesen sein. Kluge Reformen und eine vertrauenswürdige Verbandsspitze müssen her.

Sonst war alles umsonst.