Der Traum vom Titel ist vorbei

Doha..  Uwe Gensheimer war untröstlich. Mit hängendem Kopf suchte der Kapitän nach Worten für die Viertelfinal-Niederlage bei der Handball-WM in Katar und den geplatzten Traum vom Halbfinale. „Das ist eine sehr große Enttäuschung über eine sehr große Chance, ins Halbfinale einzuziehen. Es tut weh, weil ich gedacht hatte, dass wir es verdient hätten“, sagte Gensheimer. Kurz zuvor hatten er und seine Mitstreiter am Mittwoch im Doha gegen den Gastgeber im Viertelfinale mit 24:26 (14:18) verloren und ihr Handball-Wunder verpasst.

Katar, vor zwei Jahren WM-20., spielt dank vieler eingebürgerter Spieler gegen Kroatien-Bezwinger Polen im Halbfinale. Vor rund 14 500 Zuschauern warf Gensheimer fünf Tore für die Auswahl des Deutschen Handballbundes.

„Es tut weh. Aber da muss man durch“, sagte der Bundestrainer, „wir haben noch zwei Spiele, darauf sind wir vorbereitet. Jetzt gilt es, nicht die Köpfe hängen zu lassen.“ Sigurdsson übte aber auch Selbstkritik: „Ich hätte früher auf 6:0 umstellen müssen.“

Am Abend tröstete sich die Mannschaft mit einem guten Essen in einem italienischen Restaurant. „Wir spielen jetzt um die Plätze fünf bis acht. Wenn uns das vorher einer gesagt hätte, hätten wir gejubelt und jubiliert“, sagte DHB-Sportchef Bob Hanning, „Kroatien gegen Deutschland hätte auch ein Halbfinale sein können.“

Schneller Rückstand

Bundestrainer Dagur Sigurdsson schien vor dem wichtigsten Spiel seiner noch jungen Bundestrainer-Karriere nichts aus der Ruhe zu bringen. Selbst die Ansetzung der mazedonischen Schiedsrichter Gjorgji Nachevski und Slave Nikolov, die bereits das deutsche Vorrundenspiel gegen Polen (29:26) geleitet hatten, beeindruckte ihn nicht.

Die deutsche Mannschaft geriet erst mit 3:6 (13.), dann mit 5:9 (15.) und schließlich mit 6:11 (18.) und 7:13 (20.) ins Hintertreffen. Die in den Partien zuvor so starke Abwehr kam mit den Katarern überhaupt nicht zurecht. Insbesondere die Rückraumspieler Zarko Markovic und Rafael Capote sowie den bulligen Kreisläufer Borja Vidal bekam das DHB-Team nicht in den Griff.

Zudem wurden zahlreiche Chancen vergeben. Unter anderem scheiterte Linksaußen Uwe Gensheimer mit zwei Siebenmetern an seinem ehemaligen Club-Kollegen von den Rhein-Neckar Löwen Goran Stojanovic. Trotz eines 9:16-Rückstandes (27.) gab sich die deutsche Mannschaft, die die Coolness der vergangenen Spiele vermissen ließ, nicht auf. Doch näher als auf 19:20 (39.) und am Ende 24:26 (56.) kam das deutsche Handball-Team nicht mehr heran.

Zu allem Überfluss hatten die Referees nicht ihren besten Tag erwischt und legten erkennbar die Regeln auf beiden Seiten unterschiedlich aus.

„Ich hätte mir gewünscht, dass die Schiedsrichter schneller eine Grenze ziehen“, sagte DHB-Präsident Bernhard Bauer bereits nach der ersten Halbzeit und meinte später: „Bis drei Minuten vor Schluss habe ich geglaubt, dass wir wenigstens noch ein Unentschieden schaffen. Aber dann hatten wir auch Pech mit den Schiedsrichter-Entscheidungen.“