Der MSV Duisburg übt im Trainingslager im Hotel

Ungewohntes Trainingsterrain: Weil’s in der Türkei regnet, finden die Einheiten des MSV Duisburg im Hotel statt.
Ungewohntes Trainingsterrain: Weil’s in der Türkei regnet, finden die Einheiten des MSV Duisburg im Hotel statt.
Was wir bereits wissen
Regen und Orkan in der Türkei, Trainer Lettieri scheucht sein Team daher durchs Treppenhaus - Neuzugang Dausch soll für den Aufstieg in die 2. Liga sorgen.

Lara.. Models? Da war doch was. Der Fußball-Drittligist MSV Duisburg hatte sein Trainingslager in der Türkei umgebucht, weil sich zeitgleich 400 russische Schönheiten, die an einem Beauty-Contest in Antalya teilnahmen, im Teamhotel eingebucht hatten. Das sorgte international für Schlagzeilen, rückte den einst arrivierten Verein in den Fokus. Vor schönen Frauen kann man sich schützen, nicht aber vor dem Wetter.

Ein Trainingstag und ein Testspiel fielen in der Türkei ins Wasser. Bei Orkanböen und Starkregen schickte MSV-Trainer Gino Lettieri seine Jungs stattdessen beim Treppenlauf bis in die neunte Etage des Hotels. Das ärgerte einige Urlauber, die ihre Entspannung gefährdet sahen. Der Trainer hat jedoch andere Probleme. „Wir brauchen die Einheiten auf dem Platz. Es geht um taktische Dinge“, war Lettieri froh, mit seiner Mannschaft am Mittwoch wieder auf dem Platz arbeiten zu können. Am Freitag kehrt die Mannschaft nach Deutschland zurück.

Pierre De Wit kehrt zurück

Als sich über der türkischen Riviera die Wolken zuzogen, schien für den MSV trotzdem exklusiv die Sonne. Sportdirektor Ivica Grlic präsentierte einen Neuzugang, der für Drittliga-Verhältnisse eine Hausnummer ist. Martin Dausch kam von Union Berlin zu den Zebras. Ein Mittelfeldspieler, der mit Union in der letzten Saison in die Bundesliga aufsteigen wollte. In Köpenick ging aber einiges schief. Für den Verein, der nach einem starken Saisonstart ins Mittelmaß abrutschte. Für Dausch, der nach einem Trainerwechsel bei Union kaum noch eine Rolle spielte und im Winter auf dem Markt war.

Und jetzt ist er in der Türkei beim MSV am Ball. Seine Verpflichtung macht deutlich: Der MSV legt nach, um im Aufstiegskampf anzugreifen. Allrounder Steffen Bohl sagt: „Das ist ein Signal, dass der Verein nach oben will.“

Vieles ist beim Klub, der vor anderthalb Jahren die Zweitliga-Lizenz verlor und knapp an der Insolvenz vorbei schrammte, aber auf Kante genäht. Früher waren die Trainingsquartiere im Winter exklusiver, mittlerweile ist der Rahmen abgespeckt. Weniger Funktionäre, weniger Luxus, weniger Ruhe. Und das Grün auf dem Trainingsplatz war zu besseren Zeiten auch satter als auf dem Platz, der 20 Autominuten vom Hotel entfernt liegt und weder Umkleideräume noch sanitäre Anlagen bietet. Testspiel

Dausch-Transfer ist Investition in die Zukunft

Auch der Dausch-Transfer ist auf Kante genäht. Normalerweise kann sich der Klub so einen Mann nicht leisten. Normalerweise. Doch am Ende klappte es doch. Der MSV hat zwei Dauerverletzte, deren Gehalt die Klubkasse nicht mehr belastet. Auch deshalb ging noch etwas. Doch der Dausch-Transfer ist auch eine Investition in die Zukunft. Der 28 Jahre alte Mittelfeldmann gehört nicht in die 3. Liga – und der MSV in seinem Selbstverständnis auch nicht. Der Alltag in der Türkei macht deutlich: Viele Patronen hat der Klub nicht mehr zur Verfügung. Wahrscheinlich nur noch zwei, womöglich nur noch die eine in dieser Saison, um die Rückkehr in die 2. Bundesliga zu schaffen.

Der MSV will dies mit einem gestärkten Mittelfeld in Angriff nehmen. Neben Martin Dausch gibt es noch einen Neuzugang, der beim MSV allerdings schon seit anderthalb Jahren unter Vertrag steht. Pierre De Wit hofft nach sechsmonatiger Verletzungspause auf sein Comeback. Noch ein Spieler, der nicht in die 3. Liga gehört. Nach einer Leistenoperation und einer Schambein-Verletzung ist der Mittelfeld-Regisseur wieder da. Nur die Unsicherheit bleibt: Niemand vermag beim MSV beurteilen, wann der frühere Bundesliga-Profi wieder bei 100 Prozent sein wird. Dausch, De Wit, Topscorer Zlatko Janjic, Kapitän Steffen Bohl – nominell vielleicht das stärkste Mittelfeld der Liga. Aber die Unsicherheit, ob es in den restlichen 16 Rückrundenspielen funktionieren wird, bleibt. Es ist eben vieles auf Kante genäht.