Der mächtige Fifa-Boss räumt seinen Platz

Berlin..  Joseph Blatter gibt doch auf! Nur vier Tage nach seiner ­Wiederwahl für eine fünfte Amtszeit ­kündigte der umstrittene Schweizer seinen sensationellen Rückzug als Fifa-Präsident an. Nach 17 Jahren an der Spitze formulierte Blatter Worte, die selbst im Sumpf der ­andauernden Korruptionsvorwürfe an seinen Weltverband niemand ­erwartet hätte. „Ich habe ernsthaft über meine Präsidentschaft nach­gedacht und über die vierzig Jahre, in denen mein Leben untrennbar mit der Fifa und diesem großartigen Sport verbunden gewesen ist“, sagte Blatter.

Durch die Wahl am vergangenen Freitag habe er noch einmal das Mandat durch die Fifa-Mitglieder bekommen, „aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht das Mandat der gesamten Fußball-Welt habe. Daher habe ich entschieden, mein Mandat bei einem außerordentlichen Kongress niederzulegen“.

Platini: „Die richtige Entscheidung“

Uefa-Präsident Michel Platini, der Blatter einen Tag vor dessen erneuter Wahl noch den Rücktritt nahegelegt hatte, begrüßte Blatters Schritt: „Es war eine schwierige Entscheidung, eine mutige Entscheidung und die richtige Entscheidung“, erklärte Platini in einer schriftlichen Stellungnahme.

„Das ist die Entscheidung, die absolut richtig ist, die überfällig ist“, sagte Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes unmittelbar nach Blatters Ankündigung. „Es ist eigentlich eine Tragik, warum er es sich selber und uns allen nicht erspart hat, dass er das früher gemacht hätte.“ Mit dem Rücktritt seien aber nicht „alle Probleme gelöst“, betonte Niersbach allerdings auch bei einem Termin in Berlin. „Dies ist ein guter Tag für den Weltfußball“, meinte Ligapräsident Reinhard Rauball.

Blatters Nachfolger als Fifa-Präsident soll voraussichtlich bei einem Sonderkongress des Weltverbands zwischen Dezember 2015 und März 2016 gewählt werden, kündigte Domenico Scala, Chef der Fifa-Compliance-Kommission, an. Gemäß Statuten des Weltverbands seien mindestens vier Monate zur Vorbereitung eines Wahlkongresses notwendig. Der nächste reguläre Fifa-Kongress ist erst für den 12. und 13. Mai 2016 in Mexiko vorgesehen. „Dies würde eine unnötige Verzögerung bedeuten“, sagte Blatter.

Bis zu der außerordentlichen Zusammenkunft der Fifa wird Blatter sein Amt noch ausüben. Zusammen mit Scala will Blatter in den noch verbleibenden Monaten an der Spitze grundlegende Veränderungen durchführen. Nach den nicht enden wollenden Korruptionsvorwürfen, die am Dienstag auch noch Blatters Generalsekretär Jérôme Valcke (siehe Text unten) erreichten, kündigte Blatter eine „tief verwurzelte strukturelle Veränderung“ an.

„Im Exekutivkomitee sind Vertreter von Verbänden, über die wir keine Kontrolle ausüben, aber für deren Handlungen die Fifa verantwortlich gemacht wird.“ Blatter will das Exko, dem auch DFB-Präsident Niersbach seit Freitag angehört, plötzlich verkleinern. Noch kurz nach seiner Wiederwahl am Freitag hatte er eine Vergrößerung des Gremiums angekündigt. Die Mitglieder sollten nun zudem durch den FifaKongress gewählt werden und nicht durch Entsendung der Kontinentalverbände ihren Platz bekommen. Dadurch erhofft man sich offensichtlich mehr Kontrolle.

Ein geschlagener Mann

Blatter wirkte relativ gefasst, als er seine Worte in französischer Sprache vortrug. An diesem denkwürdigen 2. Juni 2015 wirkte Blatter aber wie ein geschlagener Mann. Der Skandal um Schmiergelder, Korruption und Geldwäsche, bei dem in der Kongresswoche sieben hochrangige Fifa-Mitglieder festgenommen wurden und gegen insgesamt 14 von den US-Behörden ermittelt wird, war zu viel. Wie der US-Sender ABC meldete, ermittelt gar das FBI gegen Blatter.

Hinzu kommen die WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 - hier ermittelt die Schweizer Justiz. Die Schweizer Bundesanwaltschaft betonte jedoch: „Das Verfahren der Bundesanwaltschaft wurde wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie des Verdachts der Geldwäscherei gegen unbekannt eröffnet“, hieß es in der Mitteilung. Blatter sei kein „Beschuldigter.“ Sein angekündigter Rücktritt habe keinen Einfluss auf das Strafverfahren.

„Es ist meine tiefe Sorge um die Fifa und ihrer Interessen, die mich zu dieser Entscheidung veranlasst hat“, sagte Blatter: „Ich möchte denen danken, die mich immer unterstützt haben in konstruktiver und loyaler Weise als Präsident der Fifa“, betonte Blatter. 1998 hatte er den Posten übernommen.

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