Der König ist entthront
30.12.2007 | 21:36 Uhr 2007-12-30T21:36:14+0100Der Norweger Ole Einar Björndalen muss sich beim Biathlon-Spektakel auf Schalke nach vier Siegen in Serie mit Platz zwei begnügen. Russisches Duo gewinnt. 49 000 Zuschauer sorgen für Superstimmung
Gelsenkirchen. Nach vier Erfolgen in Serie ist der König seines Sports, Ole Einar Björndalen, beim Veltins-Biathlon nicht auf Rang eins gefahren. Mit seiner norwegischen Landsfrau Tora Berger kam er auf Platz zwei. Das ist die Nachricht der sechsten Auflage des World-Team-Challenge-Wettbewerbs, bei dem zwei Frauen Stoff für zwei Geschichten lieferten. Anne Preußler, die mit Michael Greis auf Platz drei gelandet war, für eine deutsche und Ekaterina Iourieva, die zusammen mit Dmitri Iarochenko souverän triumphierte und sich diebisch über die 24 000-Euro-Prämie fürs Sieger-Duo freute, für eine russische.
Die deutsche Geschichte:
Die Pressekonferenz war schon längst beendet, als noch Journalisten ins Medien-Zentrum der Veltins-Arena kamen. "Wer ist denn das, muss die nicht ins Bett?", fragte dann einer. Das war gewiss despektierlich. Doch die nur 1,58 Meter große Anne Preußler, der 22 Jahre nicht anzusehen sind, muss ständig hinaufschauen. Was nichts daran änderte, dass die Europacup-Führende sehr glücklich und stolz war.
Eigentlich wäre sie gar nicht dabei gewesen, weil Michael Greis doch mit Martina Glagow, mit der er 2002 gewonnen hatte, starten sollte. Doch nach deren Absage rappelte das Telefon der Altenbergerin. "Ich hatte mich schon drauf gefreut, gemütlich vorm Fernseher zu sitzen", sagte Anne Preußler. "Dann kam am 23. Dezember der Anruf. Das war wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk für mich."
Beim Massenstart lief es zunächst aber nicht, die Junioren-Weltmeisterin von 2005 stürzte sogar zweimal. "Nichts hat richtig gepasst", sagte sie. "Ich war sehr aufgeregt." Und weil auch bei Michael Greis nicht viel gepasst hatte, war das Resultat Rang elf. "Ich habe nach der ersten Halbzeit nicht mehr daran geglaubt, dass es noch so weit nach vorne gehen kann", sagte der Dreifach-Olympiasieger.
Es ging aber. Weil Michael Greis beim letzten Schießen, wie er sagte, das nötige Maß von Aggressivität und Gelassenheit gefunden habe. "Das war perfekt." Und weil sich Anne Preußler, wie sie sagte, besser konzentriert habe. Trotz der beeindruckenden Kulisse in der mit 49 000 Zuschauern ausverkauften Arena. "Mir lief es jedes Mal eiskalt den Rücken herunter, wenn ich ins Stadion gelaufen bin. Das war ein Highlight für mich, vor so vielen Zuschauern zu laufen", sagte sie. "Das war der Wahnsinn. Jeder Einzelne ist angefeuert worden, das hat uns so richtig gepusht." Der Lohn: 14 000 Euro, 7000 allein für Anne Preußler, das höchste Preisgeld ihrer Karriere. "Da möchte ich gar nicht drüber nachdenken", sagte die Sächsin und verlieh dem Wahnsinn einen Superlativ. "Das ist der totale Wahnsinn."
Die russische Geschichte:
Die Pressekonferenz hatte noch nicht begonnen, weil Josef Schnusenberg, der Präsident des FC Schalke 04, fehlte. Als der 66-Jährige dann kam und sich den letzten Außenplatz des Podiums gesichert hatte, war Ekaterina Iourieva verblüfft und sagte: "Warum sitzt er auf der Seite und nicht in der Mitte, wenn er Präsident ist?" Die Erklärung folgte sofort. "Weil der Präsident auf Schalke", sagte Josef Schnusenberg, "nicht so wichtig ist wie in Russland."
Die 24-Jährige staunte weiter, aber sie erzählte dann auch von ihrem beeindruckenden Auftritt. Dass sie beim zweiten Rennen, der Verfolgung, nach Platz eins im ersten keinen Druck mehr gehabt habe. Dass sie beeindruckt gewesen sei, überhaupt angefeuert worden zu sein, "obwohl wir Konkurrenten der Deutschen sind". Und für ihre Null-Fehler-Leistung beim Schießen gab es sogar Lob von höchster Biathlon-Stelle. "Was Ekaterina am Schießstand geleistet hat, ist einmalig", sagte der König, Ole Einar Björndalen.

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