Der finanzielle Abstieg

Frankfurt..  Axel Hellmann muss gar nicht die Rechenfunktion auf seinem Smartphone bemühen, um die Zahl auszuspucken. Der Finanzvorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG trägt sie auf Knopfdruck vor, weil sie aus seiner Sicht wie ein Damoklesschwert über jedem unverhofft in Abstiegsgefahr geratenen Bundesligisten hängt: 50 Millionen Euro. Das ist nämlich der ermittelte Einnahmeverlust, der sich inklusive aller Folgekosten aus dem „Abstieg der Schande“ für die Hessen ergeben hat, als die Eintracht vor vier Jahren in die zweite Liga stürzte. Alle Maßnahmen folgen mittlerweile der Prämisse, sich erstklassig zu etablieren, „um nicht wieder einen solchen Schaden zu haben“.

Hauptproblem sind die TV-Gelder

Hellmanns Warnungen haben wieder einen aktuellen Hintergrund. Mit dem Hamburger SV (ewig in der Bundesliga), VfB Stuttgart (50 Jahre), Hannover 96 (ununterbrochen seit 2002), SC Freiburg (seit 2009) und Hertha BSC (14 der vergangenen 16 Jahre) sind fünf der sechs Abstiegskandidaten fest verankert in der Erstklassigkeit. Sie profitieren davon, dass die Bundesliga Jahr für Jahr mehr Geld generiert. Aus dem Finanzreport der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sind die Unterschiede in der wirtschaftlichen Schlagkraft beider Profiligen klar herauszulesen.

Während die Bundesliga in 2013/2014 einen Umsatz von 2,446 Milliarden Euro generiert hat, waren es in der zweiten Liga 458 Millionen. Weniger als ein Fünftel. Und: Sieben Zweitligisten arbeiteten nicht profitabel. Es ist sicherlich nicht mehr so, dass das Unterhaus überall als Armenhaus daherkommt, und auch der Zuschauerschnitt von knapp 17 500 ist europaweit einzigartig. Und trotzdem reicht das Geld für einen Bundesliga-Absteiger hinten und vorne nicht.

Vor allem die Spreizung der Fernsehgelder beschert die großen Probleme: Wie der „Kicker“ am Montag berichtet hat, würde Hannover 96 statt aktuell 32 Millionen Euro künftig in der 2. Liga nur noch 11,8 Millionen erhalten. Das Problem der Niedersachsen: Dank ihrer beiden Europa-League-Teilnahmen werden sie mit 8,5 Millionen Euro an der internationalen Vermarktung beteiligt – dieser Bonus ginge verloren, weil er an die Bundesliga-Zugehörigkeit gekoppelt ist. Den SC Freiburg würde der Abstieg allein an Fernsehgeldern immerhin noch 16,6 Millionen, den VfB Stuttgart mindestens 12,5 Millionen, den SC Paderborn 12,4 Millionen kosten.

Wer abstürzt, hat daher nur die eine Wahl: im ersten Jahr alles auf die Karte Wiederaufstieg setzen. „Wir haben alles mobilisiert, was wir können“, sagte Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen einmal rückblickend. Das mühsam aufgebaute Eigenkapital wurde mit seiner Einwilligung wieder abgeschmolzen, um damalige Leistungsträger wie Pirmin Schwegler oder Sebastian Rode zu halten und neue Spieler – teilweise zu Erstliga-Konditionen – zu verpflichten. So ist auch Hertha BSC verfahren, als gleich zweimal (2010/2011 und 2012/2013) ein Abstieg repariert werden musste. Mit entsprechenden finanziellen Folgen für den Hauptstadtklub.

Gesundung nicht möglich

Aber: Wer den Wiederaufstieg – wie aktuell der 1. FC Nürnberg – nicht sofort schafft, muss kräftig abspecken. Und sich mit dem bescheiden, was die 2. Liga hergibt. Der durchschnittliche Umsatz betrug hier zuletzt 25,4 Millionen Euro – darin flossen 7,2 Millionen Euro aus der medialen Verwertung, 6,7 Millionen aus der Werbung und 4,8 Millionen an Spielerträgen ein. In der ersten Liga kommen in diesen Segmenten aber durchschnittlich 39,8 Millionen (mediale Verwertung), 35,6 Millionen (Werbung) und 26,8 Millionen (Spielerträge) in die Kasse. Der Spruch, abzusteigen, um zu gesunden, ist aus finanzieller Sicht Nonsens.