Der FC Schalke 04 tritt auf der Stelle

Wolfsburg..  Die Regungen der Spieler nach dem Schlusspfiff entsprachen dem Ergebnis: Als Schiedsrichter Christian Dingert am Sonntag die Partie zwischen dem VfL Wolfsburg und dem FC Schalke 04 beendete, wurden keine Fäuste geballt und keine Arme in die Luft gerissen – es sank allerdings auch niemand deprimiert zu Boden. Das 1:1 beim Tabellenzweiten war für die Schalker ein Achtungserfolg. Obwohl sie geführt hatten, konnten sie mit dem einen Punkt gut leben, weil Wolfsburg die gefährlichere Mannschaft gestellt hatte.

Probleme mit dem letzten Pass

Auch die Schalker waren mit dem Ziel in die Saison gestartet, sich möglichst direkt für die Champions League zu qualifizieren. Die Distanz zu Wolfsburg beträgt jedoch schon 19 Punkte. Die nun schon seit fünf Spielen sieglosen Schalker stehen aber immerhin noch auf Platz fünf, der sie in die Europa League bringen würde. „Am Ende des Tages können wir zufrieden sein, auswärts bei so einer guten Mannschaft einen Punkt geholt zu haben“, bilanzierte Schalkes Trainer Roberto Di Matteo, der vor der Partie erneut einige Hiobsbotschaften entgegengenommen hatte.

Zwölf Spieler auf der Ausfallliste – das muss den Schalkern erst einmal einer nachmachen, in dieser Statistik stellen sie immer wieder neue Rekorde auf. So ergab sich eine neue Chance für den 19-jährigen Leroy Sané auf der linken Offensivseite und eine erste Chance von Beginn an für den gleichaltrigen Marvin Friedrich in der Innenverteidigung. Bei den Wolfsburgern saßen nach dem 1:4-Heimdebakel im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League gegen den SSC Neapel vier Stammkräfte draußen, darunter Top-Torjäger Bas Dost. Auf dessen möglichen Vertreter Nicklas Bendtner verzichtete Trainer Dieter Hecking freiwillig: Der Däne war zu spät zum Abschlusstraining erschienen.

Dass die heimstärkste Mannschaft der Bundesliga in der ersten halben Stunde ungewöhnlich verhalten spielte, fand Hecking „ganz normal“. Die nach mehreren Frust-Erlebnissen verunsicherten Schalker zogen aber keinen Profit aus dem Substanzverlust der Wolfsburger. Die Königsblauen litten an ihrer altbekannten Schwäche: Durchschlagskraft war nicht zu erkennen. „Der letzte Pass hat oft gefehlt“, meinte auch Di Matteo.

Großes Glück hatten die Schalker, dass Linksverteidiger Sead Kolasinac nach der 32. Minute auf dem Feld bleiben durfte: Der Nationalspieler Bosnien-Herzegowinas hatte Vierinha rücksichtslos umgesäbelt. „Eine klare Rote Karte“, knurrte Hecking, dessen Team kurz vor und kurz nach der Pause gute Chancen vergab, unter anderem traf Ricardo Rodriguez die Latte. Als die Wolfsburger den Druck erhöhten, gelang den Schalkern in der 53. Minute ein toller Konter: Leroy Sané startete mit dem Ball in der eigenen Hälfte, der A-Jugendspieler schüttelte zwei Wolfsburger ab, blieb kurz hängen und versenkte die Kugel dann doch. „Ein Supertor“, schwärmte Di Matteo.

Fährmann überragend

Die Wölfe wehrten sich, doch sie bissen sich wiederholt die Zähne an Ralf Fährmann aus. Machtlos war er allerdings, als der VfL in der 78. Minute durch seinen derzeit besten Spieler zum Ausgleich kam: Kevin De Bruyne setzte den Ball perfekt ins rechte Eck. Wäre dieser Schuss irgendwie haltbar gewesen, hätte Fährmann ihn sich geschnappt. Man konnte wieder auf den Gedanken kommen, dass die Schalker einige Punkte mehr hätten, wenn ihr Stammtorwart nicht so lange wegen einer Knieverletzung ausgefallen wäre.