Der Doktor tut den Bayern weh

München..  Ausnahmsweise musste Pep Guardiola warten. Vermutlich war ihm das recht. Denn dass der Trainer des Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München wirklich über die an diesem Freitag wichtigste Personalie öffentlich diskutieren wollte, war nicht anzunehmen. Der Aufsehen erregende Rückzug des langjährigen Vereinsarztes Hans-Wilhelm Müller Wohlfahrt am Abend zuvor wurde beim FC Bayern behandelt wie oft brisante Themen: Nicht offensiv, sondern sehr defensiv.

Dürre Pressemitteilung

Vor Beginn der Gesprächsrunde mit den Medien verschickte die Presseabteilung eine dürre Mitteilung, in der das stand, was Mediendirektor Markus Hörwick dann an der Seite von Guardiola verkündete. „Mit Bedauern“ habe man den Rückzug zur Kenntnis genommen und wolle dem Arzt sowie dessen Team für die „erstklassige Arbeit“ danken. Es waren Höflichkeitsfloskeln. Müller-Wohlfahrt hatte nach dem 1:3 im Champions-League-Viertelfinalhinspiel beim FC Porto die Öffentlichkeit über seinen Rücktritt informiert. Es ging um die „Beschädigung des Vertrauensverhältnisses“. Zudem sei aus „uns unerklärlichen Gründen die medizinische Abteilung für die Niederlage hauptverantwortlich gemacht“ worden.

Streit um Thiago

Vermutlich war nicht Guardiola derjenige, der in Porto die Mediziner anklagte, sondern (laut Bild-Zeitung) Vereins-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Dass allerdings Guardiola eine Rolle bei Müller-Wohlfahrts Entscheidung gespielt hat, gilt als sicher. Dem Trainer hatte von Anfang an nicht gefallen, dass die Spieler nicht am Trainingsgelände behandelt wurden, sondern in die Praxis in der Münchner Innenstadt mussten. Müller-Wohlfahrt ist aber nicht nur für den FC Bayern da. Er gilt weltweit als Koryphäe unter den Sportmedizinern. Zudem gab es Streit: Der Trainer hatte Thiago wegen dessen Innenbandverletzung zu seinem vertrauten Mediziner Ramon Cugat nach Barcelona geschickt.

Die Kontroverse mit Guardiola erinnerte an das Intermezzo von Jürgen Klinsmann bei den Bayern. Auch der hatte einst gefordert, dass der Teamarzt ständig dabei sein müsse. Als Konsequenz gab Müller-Wohlfahrt 2008 seinen Job bei Bayern auf. Als der Schwabe 2009 entlassen wurde, kehrte er zurück. Guardiola will nun noch mehr als einst Klinsmann alles kontrollieren. Und die Bayern lassen ihn gewähren.