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Joachim Deckarm

Der beste Handballer aller Zeiten

30.03.2009 | 16:13 Uhr

Essen. Heute vor 30 Jahren endete auf tragische Weise die große Karriere des Joachim Deckarm. Bei einem Spiel im ungarischen Tatabanya war der damals beste Handballer der Welt so schwer gestürzt, dass er 131 Tage lang im Koma lag. Richtig gesund wurde er nie wieder.

131 Tage Koma. 131 Tage Hoffnung. 131 Tage Ungewissheit. Die angesehensten Mediziner kämpfen in jenem Frühjahr 1979 um das Leben von Joachim Deckarm. Doch als der nach über vier endlosen Monaten des künstlichen Tiefschlafs die Augen öffnet, wird schnell klar, dass sein Leben fortan ein anderes sein wird. Ein schwierigeres. Ein Leben als Pflegebedürftiger. Und Schuld daran hatte dieser unglückliche Sturz damals. Damals, auf den Tag genau heute vor 30 Jahren. Damals, als die Welt ihren besten Handballer aller Zeiten verlor.

Joachim Deckarm im Spiel. Foto: imago

30. März 1979. Das Rückspiel im Europapokal der Pokalsieger zwischen dem ungarischen Gastgeber Banyasz Tatabanya und Deutschlands Vorzeige-Klub VfL Gummersbach. Es ist die 23. Spielminute, als der 25-jährige Joachim Deckarm bei einem Tempogegenstoß so unglücklich mit Gegenspieler Lajos Panovics zusammenknallt, dass er sofort das Bewusstsein verliert – und ungebremst und ohne Abfangreflexe zu Boden fällt. Der ist aus Beton und nur mit einer dünnen PVC-Schicht überzogen. Beim unkontrollierten Aufprall erleidet Deckarm, den man nur „Jo" nennt, einen doppelten Schädelbasisbruch. Einen Riss der Hirnhaut. Und Gehirnquetschungen.

Sein Freund Heiner Brand

„Wir haben das Spiel noch beendet. Doch dann haben wir erfahren, dass Jo in Lebensgefahr schwebt. Da saßen wir dann alle in der Kabine – und heulten." Der Mann, der das erzählt, ist Heiner Brand. Deckarms Freund und damaliger Teamkamerad, heute Nationaltrainer und Deutschlands Handball-Ikone. Einer dürftigen Notversorgung in der Halle folgt der Abtransport per Krankenwagen ins 60 Kilometer entfernte Budapest. 60 Kilometer über Straßen, die diesen Namen nicht verdienen. Eine Tortur für den Schwerstverletzten. Es folgt eine weitere Verlegung in die deutsche Heimat. Dort wird der Weltmeister von 1978 und dreimalige Deutsche Meister vom europaweit anerkannten Hirnchirurgen Prof. Dr. Moritz Joachim operiert.

„Es war ein Riesen-Schock für uns alle. In einem Alter, in dem du dich als Sportler körperlich fast unangreifbar fühlst, geschieht ein solcher Schicksalsschlag", sagt Brand. Er selbst habe sich in den Jahren danach als Spieler oft dabei ertappt, wie er auf dem Feld in kniffeligen Szenen nachdachte: Was könnte dir jetzt alles passieren?

Dann wacht Deckarm auf. Nach besagten 131 Tagen. Und schnell ist es Gewissheit, dass der Vorzeige-Sportler fast alle Grundlagen des Lebens aufs Neue erlernen muss. Einem wahren Reha-Marathon ist es zu verdanken, dass Deckarm Anfang '81 in sein Elternhaus nach Saarbrücken zurückkehren kann. In dieser Stadt lebt der mittlerweile 55-Jährige auch heute noch.

Regelmäßige Telefonate und Treffen

„Ich habe nach wie vor ein sehr gutes und enges Verhältnis zu Jo", sagt der Bundestrainer. Regelmäßig würden sie telefonieren und sich mehrmals pro Jahr sehen. „An guten Tagen kann man sich fast ganz normal mit ihm unterhalten. Wenn er aber müde ist, geht das alles natürlich nur deutlich schwieriger."

Joachim Deckarm heute. Foto: imago

Deckarm, der in 104 Länderspielen 381 Tore erzielte, bewohnt seit längerem ein Appartement im Haus der Parität. Das ist ein ambulantes Plegezentrum. Ein dreiköpfiges Betreuer-Team steht ihm dort rund um die Uhr zur Seite. Unter ihrer Anleitung absolviert er jeden Tag ein umfangreiches Trainingsprogramm, zu dem Schwimmen, Rad fahren, Gymnastik und Schachspielen gehören. Erinnerungen an die tragischen Sekunden von Tatabanya hat er keine mehr.

„Jo erinnert sich nur noch an das, was wir ihm im Nachhinein erzählt haben", weiß Brand. Der Unfall sei bei heutigen Treffen kein großes Thema mehr. „Wir unterhalten uns lieber über sein jetziges Befinden und den Handball von damals und heute."

Auf Hilfe angewiesen

Deckarm war und ist auf Hilfe angewiesen. Direkt nach dem Unfall übernahm sein früherer Trainer Werner Hürter die Betreuung. Nach dessen Tod folgte Reinhard Peters. Und nun eben das Team im Haus der Parität. Wichtig für Deckarms Alltag sind vertraute Ansprechpartner. Die Wochenenden verbringt er im Kreis der Familie – seiner Mutter Ruth und den Brüdern Wilfried, Andreas und Herbert.

Lajos Panovics hat Deckarm längst mehrmals getroffen. „Er hatte keine Schuld. Es war ein Unfall", weiß Heiner Brand. Trotzdem habe sich der Ungar Vorwürfe gemacht. Dass er die Karriere des besten Handballers aller Zeiten unfreiwillig beendet hat. Zweimal Joachim Deckarm: 1978 wurde er Handball-Weltmeister, heute meistert er den Alltag als Pflegebedürftiger.

Thomas Richter

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Kommentare
31.03.2009
01:33
Der beste Handballer aller Zeiten
von Evald | #3

Ich qweiss nicht, ob Jo Deckarm der beste deutsche Handballspieler war. Jedenfalls war er ein Guter.
Respekt, wie er sein Schaicksal erträgt und Respekt auch den Menschen, die Jo weiter unterstützen

30.03.2009
19:14
Der beste Handballer aller Zeiten
von NICO | #2

Meine Hochachtung vor Heiner Brand.

Er ist Manager und Trainer der deutschen Nationalmannschaft.

Eben ein Manager, dessen menschliche Qualitäten nicht für seinen persönlichen Erfolg in den Kanal gekippt wurden.

Nie vergessend, das er seinen Erfolg zum größten Teil seiner Belegschaft, seinen Ihm anvertrauten Spielern zu verdanken hat.

Solche Qualitäten hatten einst auch vor langer Zeit unsere Wirtschaftsmanager, wissend, Ihre Belegschaft voll hinter sich zu haben und mit allem Engagement für den Erfolg zu kämpfen.

Nochmals, meine Hochachtung

Liebe Grüße NICO

30.03.2009
17:18
Der beste Handballer aller Zeiten
von M.Dinapoli | #1

Eine wirklich tragische Geschichte, bewundernswert welche Lebenskraft Deckarm nachwievor besitzt.
Und Heiner Brand ist einer der größten aller Zeiten. Er verkörpert nicht nur Erfolg, sondern auch gesellschaftliche Werte und Verantwortung.

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