Das Ziel ist eine Medaille
13.08.2010 | 07:33 Uhr 2010-08-13T07:33:00+0200Mülheim. Am Mittwoch reiste Badminton-Nationalspielerin Fabienne Deprez zusammen mit zahlreichen weiteren deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den 1. Olympischen Jugendspielen nach Singapur. Ihr Wettbewerb beginnt am Sonntag.
Im zweiten Teil eines großen Interviews blickt die 18-Jährige unter anderem noch einmal auf die Qualifikation für das Großereignis zurück und beschreibt ihre Ziele bei dem Top-Event.
DerWesten: „Was ist in Dir vorgegangen, als feststand, dass Du die Qualifikation für die 1. Olympischen Jugendspiele in der Geschichte geschafft hast?“
FD: „Ich hatte gedacht, dass ich mir bei dem Qualifikationsturnier für Europa vielleicht einen Platz von den fünf zur Verfügung stehenden sichern könnte. Dass ich das Turnier sogar gewinnen konnte, hat mich überwältigt – vor allem da ich nur an Nummer zwei gesetzt war. Aber die haushohe Favoritin, Carolina Marin aus Spanien, ist im Finale gegen mich irgendwie eingebrochen.“
DerWesten: „Welches Ziel verfolgst Du nun in Singapur?“
FD: „Das Ziel ist auf jeden Fall, eine Medaille zu gewinnen. Sie ist zum Greifen nahe. Bei der Jugend-WM bin ich in diesem Jahr Fünfte geworden und habe bei meiner Niederlage gegen die amtierende Weltmeisterin, die auch in diesem Jahr wieder den Titel gewonnen hat, ein gutes Spiel gemacht. Ich habe gemerkt, dass ich an den Asiaten dran bin. Die Thailänderin ist für die Olympischen Jugendspiele allerdings zu jung, sie wird also nicht in Singapur starten.“
DerWesten: „Teilnehmen dürfen an den Badmintonwettbewerben im Rahmen der Olympischen Jugendspiele ja nur Spielerinnen und Spieler der Jahrgänge 1992 und 1993. Außerdem werden nur die Einzeldisziplinen ausgetragen. Wer sind aus Deiner Sicht im Dameneinzel die Mit-Favoriten auf den Gewinn einer Medaille?“
FD: „Aus Europa sicherlich Carolina Marin und vielleicht die Engländerin Sarah Milne. Die Asiaten sind natürlich immer gefährlich. Aber dadurch, dass Carolina Marin und ich bei der WM das Viertelfinale erreicht haben, konnten sich weitere Europäer qualifizieren. Die Zusammensetzung des Starterfeldes hat sich entsprechend geändert.“
DerWesten: „Wann hast Du eigentlich davon erfahren, dass es 2010 erstmals Olympische Jugendspiele geben wird?“
FD: „Ich habe erst relativ spät davon erfahren, das muss so Ende 2008, Anfang 2009 gewesen sein. Holger Hasse hat mich damals gefragt, was ich von Olympischen Jugendspielen halte, und ob ich mich dafür qualifizieren möchte. Ich war direkt begeistert davon, dass es nun so etwas gibt, und habe mich ziemlich schnell entschieden, die Quali in Angriff zu nehmen. Denn eine solche Chance bekommt man nur einmal im Leben. Ich habe natürlich auch Glück, dass ich Jahrgang 1992 bin. Damals waren die Olympischen Jugendspiele noch so weit weg, aber ich habe da schon gedacht: Das wäre eine coole Sache!“
DerWesten: „Huaiwen Xu, die seit etwa einem Jahr in den USA lebt, ist anlässlich der Olympischen Jugendspiele eine große Ehre zuteil geworden: Sie ist als Mentorin für die Sportart Badminton ausgewählt worden. Hast Du eine Idee, was die Mentoren in Singapur mit und für Euch machen werden?“
FD: „So genau weiß ich es bislang nicht. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass sie in der Halle sein werden, uns unterstützen, uns Tipps geben usw. Ich freue mich darauf, Huaiwen wiederzusehen. Ich habe sie schon ewig nicht mehr gesehen.“
DerWesten: „Solltest Du die Gelegenheit haben, Wettkämpfe in anderen Sportarten anschauen zu können. Welche Wettbewerbe würden Dich besonders interessieren?“
FD: „Die Wettkämpfe im Tischtennis würde ich mir sehr gerne ansehen bzw. im Prinzip finde ich alles, was mit einem Schläger zu tun hat, interessant. Kampfsportarten wie Ringen oder Judo hingegen würde ich mir weniger gerne ansehen.“
DerWesten: „Du bist ja schon in sehr jungen Jahren bei internationalen Großereignissen dabei gewesen. Wie bewertest Du dies rückblickend?“
FD: „Es hat mir Einiges gebracht, dass ich meine erste WM bereits 2007 gespielt habe, als ich erst 15 war. Gerade die Asiaten sind teilweise sehr abgebrüht auf dem Feld und versuchen, Dich mit Psychotricks zu beeinflussen. Das kannte ich dadurch schon längere Zeit und konnte mich darauf einstellen.“
DerWesten: „Wenn Du Deine Spielweise mit der jener Top-Spielerinnen vergleichst, die Mitte 20 oder älter sind. Woran fehlt es Dir im Vergleich zu jenen vielleicht noch?“
FD: „Ich bin konditionell und auch teilweise im taktischen Bereich noch nicht so stark. Ich kann bis zu einem gewissen Punkt konditionell mithalten, aber sobald das Match dann sehr lange dauert, werde ich derzeit noch schwächer. Aufgrund der Schule habe ich derzeit halt nur ein- bis zweimal wöchentlich die Möglichkeit, auch vormittags zu trainieren. Das merkt man.“
Teil 3 folgt.
