Das Wettbieten um Ilkay Gündogan kann beginnen

Einen Titel will Ilkay Gündogan noch mit dem BVB holen: Nach dem Pokalfinale verlässt er Dortmund allerdings.
Einen Titel will Ilkay Gündogan noch mit dem BVB holen: Nach dem Pokalfinale verlässt er Dortmund allerdings.
Foto: imago/Avanti
Was wir bereits wissen
Ilkay Gündogan schlägt eine Vertragsverlängerung aus. Borussia Dortmund muss den 24-Jährigen also verkaufen, damit Thomas Tuchel etwas von dem Abgang hat.

Dortmund.. Auch Ilkay Gündogan war nach dem Einzug ins DFB-Pokal-Finale aus dem Häuschen. Wie sehr, hat der 24 Jahre alte Fußballer von Borussia Dortmund in der Nacht auf Mittwoch zwar nicht selbst artikuliert, weil er ohne ein Wort aus der Münchener Arena verschwand. Aber auf Schnappschüssen, die von den schwarzgelben Cup-Helden anschließend im Internet veröffentlicht wurden, war zu erkennen, wie Gündogan mitfeierte. Erleichtert war er wohl auch, weil er wie Trainer Jürgen Klopp seine Abschiedsbühne bekommt: Denn das Endspiel gegen Wolfsburg am 30. Mai dürfte wohl sein letztes Spiel für den BVB sein.

Dies gilt als verbrieft, seitdem die Borussia vor dem Bundesligaspiel bei der TSG Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr) verkündet hat: „Gündogan hat sich entschieden, seinen Vertrag nicht zu verlängern.“

Beim Pokalfinalisten steht der gebürtige Gelsenkirchener noch bis 2016 in Lohn und Brot. Eine marktgerechte Ablöse kann der BVB also nur noch in diesem Sommer erzielen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke muss sich nun Offerten anderer Klubs anschauen. Dass er wie im Vorjahr bei Robert Lewandowski die Gültigkeit des Arbeitspapiers ausreizt und auch Gündogan im nächsten Jahr ohne Ertrag ziehen lässt, hatte Watzke bereits ausgeschlossen: „Wenn er sagt, dass er seinen Vertrag nicht verlängert und wir ein ordentliches Angebot bekommen, machen wir das.“

BVB will auf jeden Fall kassieren

Nach Informationen dieser Zeitung soll sich Gündogan mit Manchester United einig sein, der BVB 30 Millionen Euro bekommen. Viel Geld für einen Spieler im letzten Vertragsjahr. Doch ohne Einnahmen aus der Königsklasse wird es der künftige Trainer Thomas Tuchel schwer haben, das Team nach eigenen Vorstellungen umzubauen. Mit Johannes Geis, Junioren-Nationalspieler aus Mainz, könnte versucht werden, die Vakanz in der Mittelfeldzentrale zu schließen.

Gündogan zu ersetzen, wird nicht leicht. Bis zur komplizierten Rückenverletzung im August 2013, die ihn mehr als ein Jahr seiner Karriere gekostet hat, war die Frage: Wer räumt bei der WM in Brasilien seinen Platz für den Dortmunder Taktgeber – Schwein­steiger oder Khedira? Den Triumph verfolgte der 24-Jährige dann im TV, seit Herbst versucht er, sich der alten Form zu nähern, deren Beschreibung an guten Tagen mit „Weltklasse“ nicht übertrieben war.

Mit Gündogans Weggang nach vier Jahren kündigt sich in Dortmund ein sommerlicher Strukturwandel an: Zwei Double-Helden von 2012, Mario Götze und Robert Lewandowski, sind fort, in wenigen Wochen beendet auch Routinier Sebastian Kehl seine Karriere. Und Mats Hummels hat immer noch nicht öffentlich seine Abwanderungsgedanken ad acta gelegt.

Rücktritt als Motivationsspritze

Bleiben Gündogan also noch vier Bundesligapartien und das Pokalfinale. Jürgen Klopp erhofft sich für Gündogan den Effekt, wie er ihn selbst seit seiner Abschiedsankündigung erlebt – nämlich unbesiegt zu bleiben. Vor dem „Sechs-Punkte-Spiel“ in Hoffenheim witzelte der Noch-Coach: „Wer weiß, ob im Duden unter dem Begriff ,Rücktritt‘ irgendwann mal ,größte Motivationsspritze aller Zeiten‘ steht.“ Ilkay Gündogan würde sicher auch nur zu gerne am 31. Mai noch einmal mit dem Laster um den Borsigplatz fahren.