Das Warten auf die Messi-Festspiele

Santiago..  In der prominenten Latino-Reisegruppe, die sich nach dem Berliner Champions-League-Finale auf den weiten Weg nach Südamerika gemacht hat, fehlte ein Name. Barcelonas Torschütze Luis Suárez aus Uruguay reiste nicht mit in das winterliche Chile, wo von Donnerstag an zehn südamerikanische Teams und die eingeladenen Mexiko und Jamaika die Fußball-Krone Südamerikas unter sich ausmachen. Aber immerhin sieben Final-Teilnehmer sind bei der Copa América dabei.

Die Argentinier Leo Messi, Javier Mascherano, der Brasilianer Neymar und der chilenische Torhüter Claudio Bravo waren für Barcelona in Berlin am Ball. Vom Verlierer Juventus Turin nehmen Arturo Vidal (Chile) sowie Carlos Tevez und Roberto Pereyra (Argentinien) am ältesten Nationenturnier der Welt teil.

Suárez fehlt wegen seiner Sperre

Suárez aber verpasst die Copa, weil er noch seine Neun-Spiele-Sperre nach der Beißattacke im WM-Gruppenspiel gegen Italiens Verteidiger Giorgio Chiellini absitzen muss. Es wird ein herber Verlust nicht nur für den Rekordsieger des Turniers, sondern auch für alle Anhänger des Fußballs.

Denn Suárez hat diese Saison bei Barcelona seinen Spieltrieb wiedergefunden. Gemeinsam mit Leo Messi und Neymar bildete er das Trio „MSN“, das gemeinsam in allen Wettbewerben zusammen unfassliche 122 Tore erzielte. Suárez markierte in Berlin seinen 25. Treffer, Neymar traf zum 39. Mal. Messi blieb bei 58 Toren.

Überhaupt Leo Messi. Mit fast 28 Jahren hat sich der beste Spieler der Welt noch einmal neu erfunden. Vier Kilo weniger hat er auf den Rippen, und sogar die Wangenknochen stechen hervor, weil er nun Reis und Fisch statt Pizza isst. Er ist noch schneller, noch explosiver, noch beweglicher. Er zaubert auch wieder Tore wie das 1:0 beim 3:1-Sieg im spanischen Pokal gegen Atheltic Bilbao vor gut einer Woche, als er an der Mittellinie den Ball annimmt und fünf Spieler stehen und auch dem Torwart keine Chance lässt.

Ein Treffer, der sich einreiht in die großen Messi-Kunstwerke und die ausgeflippten TV-Reporter zu Sätzen wie diesen inspiriert: „Von welchem Planeten kommst Du, Messi?

Heimvorteil für Chile

Nun hoffen sie in Argentinien, dass der Star diese Barcelona-Form auch endlich mal im Trikot der Nationalmannschaft wiederholen kann. Bisher war der Stürmer in weiß-blau nur eine schlechte Kopie des Messi im blau-rot. Zu schwer scheint das Wohl einer ganzen fußballsüchtigen Nation zu wiegen. Zu wenig ist das Spiel der Nationalmannschaft auf ihn ausgerichtet.

Argentinien hat bei der Copa América mit Uruguay, Paraguay und Jamaika eine einfache Gruppe erwischt. Für den Vize-Weltmeister ist das Turnier dabei genauso wie für die anderen südamerikanischen Teilnehmer der Weltmeisterschaft 2014 die erste Standortbestimmung nach dem Turnier in Brasilien.

Es stellt sich dabei nicht nur die Frage, ob Chile die Messi-Festspiele erleben wird, sondern vor allem, ob die gedemütigten Brasilianer wieder auferstehen unter dem alten und neuen Trainer Carlos Dunga. Und kann das bei der WM so wunderbar und unbeschwert aufspielende Kolumbien die Form bestätigen? Nutzen die chilenischen Hochgeschwindigkeitsfußballer den Heimvorteil?

Neues brasilianisches Team

Brasilien hat nach dem 1:7-Debakel im WM-Halbfinale gegen Deutschland zwei Drittel der Mannschaft ausgetauscht und gewinnt seither Spiel um Spiel. Das 2:0 gegen Mexiko am Sonntag war der neunte Sieg im neunten Spiel nach der WM. Eines der Gesichter des brasilianischen Aufschwungs ist der Hoffenheimer Neuling Roberto Firmino, der in vier Länderspielen zwei Tore schoss.

Für Verteidiger Thiago Silva könnte aber auch ein Copa-Sieg die Schmach gegen Deutschland nicht wettmachen. „Das löscht nicht, was wir bei der Weltmeisterschaft gemacht haben, das bleibt für immer“, sagte er.

Brasilien misst sich bei der Copa in der Vorrunde mit Venezuela, Peru und Kolumbien. Spannend wird vor allem die Neuauflage des Viertelfinales der WM, das Kolumbien so unglücklich verlor. Die Mannschaft um den Real-Madrid-Mittelfeldspieler und besten Torschützen in Brasilien, James Rodríguez, hat das Zeug, den Titel zu holen. Denn in Chile ist auch Mittelstürmer Radamel Falcao wieder dabei, der bei der WM verletzungsbedingt fehlte.