„Das war ein Traumtag“

Düsseldorf..  Moritz Müller hat den Schalk im Nacken. Selten läuft der Verteidiger der Kölner Haie ohne Grinsen herum. „Da sieht man“, sagte der 28-Jährige, „dass man im Fernsehen nicht jedes Fußball-Drittligaspiel in Schleife zeigen muss.“ 51 125 Zuschauer strömten am Samstag in Düsseldorfs Esprit-Arena, um das 206. Eishockey-Derby zwischen der Düsseldorfer EG und dem KEC zu sehen. Auch wenn der Charakter des DEL Winter Games aufgrund des witterungsbedingt geschlossenen Stadiondachs kaum gegeben war, bedeutete die Zahl der Fans einen neuen Europarekord für Eishockey-Ligaspiele. Die DEL übertraf den eigenen Rekord vom 5. Januar 2013, als in Nürnberg 50 000 Fans das erste Winter Game sahen.

Spiel der Legenden

„Das war ein Traumtag für die DEG. Dass es zudem noch drei Punkte gab, war das I-Tüpfelchen für uns. Wir haben für Düsseldorf und die DEG eine gute Visitenkarte abgegeben“, jubelte Düsseldorfs Geschäftsführer Jochen A. Rott­haus nach dem 3:2 (1:0, 2:1, 0:1)-Sieg seiner Mannschaft über die Haie, den DEG-Kapitän Daniel Kreutzer richtig einzuschätzen wusste: „Am Ende waren wir die etwas glücklichere Mannschaft.“ Das Ambiente selbst lobte er mit einem Wort: „Atemberaubend.“

Bleibt die Frage: Ist ein solches DEL Winter Game, das auf einer mobilen Eisbahn in einem Fußballstadion ausgetragen wird, nun Show – oder doch ganz normaler Sport? Für das neue Rekordspiel in Düsseldorf bleibt festzuhalten: beides. Für die DEL und das deutsche Eishockey war diese zweite Auflage einer solchen Partie eine perfekte Bühne, um sich in schönem Licht zu präsentieren. Da gibt es ein Spiel der Legenden im Vorfeld mit Größen wie Didi Hegen und Peppi Heiß, ein Kurzkonzert der Rockband Mando Diao, das nach dem ersten Drittel fortgesetzt wurde, weil die Pausen eigens auf 22 Minuten verlängert worden waren. „Ich hoffe, dass wir mit diesem Spiel unsere Fangemeinde vergrößert haben“, sagte Rotthaus. Denn anders als zu alten und vor allem erfolgreichen Brehmstraßen-Zeiten kommen sonst eben nicht mehr 10 000 pro Partie. Vier Tage vor dem Spektakel sahen nur 4743 Fans das Spiel gegen Berlin.

Dennoch scheinen die Eishockeyfans nach Spielen dieser Art zu lechzen. Wie vor zwei Jahren strömten sie aus der ganzen Repu­blik heran. Sei es aus Weißwasser ganz im Osten oder aus Garmisch ganz im Süden. „In welcher anderen Sportart als im Eishockey ist es möglich, dass so viele verschiedene Anhänger zusammenkommen und trotzdem gut miteinander auskommen?“, fragen Olaf und Mirko, die aus Nordhorn angereist waren. Eishockeyfans, gerade die deutschen, leben ihre Sportart – vielleicht eine Spur mehr als die Fans anderer Sportarten.

Play-off-Platz im Fokus

Jenseits allen Spektakels war dieses Spiel mehr als nur eine Show, mehr als nur das berühmte rheinische Derby. Es war ein Ligaspiel, in dem es für beide Teams um wichtige Punkte ging. Die Absicherung eines Top-Ten- und damit Play-off-Platzes steht für Düsseldorf wie Köln im Fokus, zudem haben die DEG und der KEC Platz sechs im Auge, der die direkte Viertelfinal-Qualifikation bedeuten würde. Die DEG bestimmte das Spiel in den ersten zehn Minuten, danach entwickelte sich ein ausgeglichenes erstes Drittel, in dem Travis Turnbull (20.) in Überzahl die Führung besorgte. Kris Sparre (24., 27.) erhöhte auf 3:0, obwohl der KEC immer dominanter wurde, aber bitter ineffizient agierte. So war der Doppelpack von Philip Gogulla (40., 43.) zu wenig, um den Rivalen noch zu schlagen. Nur das Gesangsduell ging trotz Überzahlspiels der DEG-Anhänger an die Haie.