„Das sind die härtesten Meter“

Hagen..  Werner Schuster steht irgendwo an der Schanze, als sein Telefon klingelt. Mitten im Training. Trotzdem zupft der Skisprung-Bundestrainer vermutlich seine Mütze zurecht, hält sich das Handy ans Ohr - und meldet sich. „Ich muss gleich einen abwinken“, klagt Schuster im ersten Augenblick und wirkt ein wenig genervt. Doch für ein paar Sätze über seinen Springer Stephan Leyhe vor dessen Heim-Weltcup vom kommenden Freitag bis Sonntag in Willingen, dafür nimmt er sich gerne Zeit. Training hin oder her. Leyhe ist schließlich gebürtiger Schwalefelder und startet für den SC Willingen. „Und wenn’s nicht mehr geht, sage ich’s. Also los.“ Also los.


Frage: Herr Schuster, Stephan Leyhe springt erstmals konstant im Weltcup und wurde von Ihnen erstmals für die Vierschanzentournee nominiert. Wie beurteilen Sie seine bisherige Saison?
Werner Schuster: Sehr positiv. Er gehört ja schon seit längerer Zeit zu unserem System. Diesen Leistungsschub hatten wir uns bereits seit einiger Zeit erhofft, aber er hatte ein paar Schwierigkeiten, die nächsten Stufen zu nehmen. In dieser Saison hat er einen mächtigen Schritt nach vorne gemacht und ist in der Lage, konstant in die Weltcup-Punkte zu springen.


Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?
Insgesamt ist sein Sprung sehr solide. Aber er muss die Sache noch offensiver angehen. Im körperlichen und technischen Bereich ist noch Luft nach oben, aber Stephan ist mit seinen 22 Jahren auch in einem Alter, in dem er sich noch entwickeln kann. Er ist in dieser Saison bereits in die erweiterte Weltspitze gesprungen und ist deshalb einer von einigen Lichtblicken in unserem Team.
Sehen Sie in Stephan Leyhe einen potenziellen Kandidaten für einen Platz auf dem Podest?
Grundsätzlich besitzt er das Potenzial. Aber diese Qualität muss man sich auch ein Stück weit erarbeiten. Die letzten Meter auf dem Weg zu einem Platz unter den besten Drei sind die härtesten. Sie erfolgreich zu bewältigen, liegt am Athleten.


2012 war Stephan Leyhe das bislang einige Mal beim Weltcup in Willingen am Start und verpasste die Qualifikation für das Einzelspringen nur um wenige Meter. Glauben Sie, dass er sich vor dem Heim-Weltcup besonders viel Druck macht?
Natürlich ist die Situation eine besondere, wenn du vor der Familie, vor vielen Freunden springst. Aber er wäre dumm, wenn er sich besonders viel Druck machen würde. Er hat sich diesen Startplatz durch starke Leistungen vor und während der Saison erkämpft - und wenn er normal springt, werden wir ihn dreimal sehen. Das ist doch ein super Fortschritt.


Herr Schuster, eine letzte allgemeine Frage. Nach etwas mehr als der Hälfte der Weltcup-Saison fällt Ihr Zwischenfazit wie aus?
Wie immer gab es Hochs und Tiefs. In Summe allerdings deutlich mehr Hochs. Wie zum Beispiel den ersten Tagessieg seit langer Zeit bei der Vierschanzentournee, der durch den missglückten Start in die Tournee allerdings etwas unterging. Der schwere Sturz von Andreas Wellinger war ein Tief. Ich sehe insgesamt eine Weiterentwicklung und Stabilisierung.


Herr Schuster, herzlichen Dank für das spontane Telefonat.
Okay. Gerne. Ciao.