Das Prinzip Hoffnung
02.08.2007 | 20:38 Uhr 2007-08-02T20:38:29+0200WERDER BREMEN. Die Suche nach einem Nachfolger für Miroslav Klose endete bei Boubacar Sanogo. Im Mittelfeld setzt Trainer Thomas Schaaf auf zwei Brasilianer. Für den Titelkampf wird's dennoch eng.
BREMEN. Fast ist es so, als sei in Bremen die Zeit stehen geblieben. Wer den neuen Star-Einkauf Carlos Alberto zaubern sehen will, der muss sich schon auf den Weg zum Trainingsgelände machen. Im Fernsehen konnte man den Brasilianer noch nicht eine Minute lang bewundern, denn er ist für Pflichtspiele immer noch nicht spielberechtigt. Das liegt an einem Transfer, der so kompliziert gewesen sein muss, dass sich die Nachwehen bis heute hinziehen.
Das passt alles nahtlos zu den letzten Monaten in Bremen. Miroslav Klose, Torsten Frings und Carlos Alberto - ein Dreiklang, der Werder aus dem Rhythmus gebracht hat. Wie schnell in Bremen wieder der richtige Takt schlägt, wird entscheidend dafür sein, wie gut die Grünen abschneiden.
Die Pluspunkte: Spötter sagen: Miroslav Klose. Dass der Nationalstürmer Werder verlassen hat, könnte nämlich zumindest für Ruhe sorgen. Das Theater um seinen Wechsel zu den Bayern, Geschichten über private Probleme, Kloses Formkrise in der Rückrunde nach einer überragenden Vorrunde - nicht wenige glauben, dass der Mittelstürmer Werder im Vorjahr den Titel gekostet hat. Unstrittig ist, dass Bremen mit Carlos Alberto einen Kracher an Land gezogen haben dürfte. Zur Spielberechtigung fehlt noch eine Unterschrift des brasilianischen Verbandes, aber dann sollen Alberto und Diego im Mittelfeld für Extraklasse bürgen. In der Abwehr mit Clemens Fritz ist Werder eingespielt und mit Torsten Frings hat die Mannschaft einen Dampfmacher - auf dem Platz und in der Kabine. Thomas Schaaf gilt als einer der besten Trainer in der Branche, die Zusammenarbeit mit Manager Klaus Allofs als vorbildlich. Und Ruhe ist in Bremen seit Otto Rehhagels Zeiten ohnehin erste Bürgerpflicht.
Die Minuspunkte: Miroslav Klose. Vom ganzen Theaterdonner abgesehen, ist der Abgang des Angreifers ein herber sportlicher Verlust. Werder hat fieberhaft nach einem Nachfolger gesucht, fündig wurde man beim HSV: Dort hat die Haupttribüne den jungen Angreifer Sanogo regelrecht aus der Arena gemobbt. In Kaiserslautern zeigte Sanogo viel Talent, in Hamburg nicht einmal das. Sanogo für Klose - das riecht nach Prinzip Hoffnung. Und: Torsten Frings steht zum Saisonstart nicht zur Verfügung. "Ihn können wir nicht ersetzen", sagt Thomas Schaaf. Werder droht ein holpriger Start.
Die Ambitionen: Egal, was sie in Bremen sagen, Werder will um den Titel mitspielen. Die Qualifikation für die Champions League ist Pflicht.
Die NRZ-Prognose: Werder gehört trotz des Abgangs von Klose nach wie vor zu den besten Mannschaften der Liga. Champions League? Ja. Der Titel? Nein. Einer hängt die Bremer ab. Platz zwei.
Lesen Sie morgen: Gerät Frankfurt ins Trudeln? Wird Nürnberg die Überraschung der Saison? Und hält Bochum die Klasse? (NRZ)

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